Nee nee, das hat nichts mit Barack Obamas Besuch in Europa zu tun. (Obschon ich seine Abrüstungsinitiative sehr begrüße, solange es keine taktische Ankündigung bleibt.)
Erst stürze ich vom Fahrrad. Ziemlich blöd, wenn man mit den Füßen nicht auf den Pedalen bleiben kann. Ich dachte immer, ich könnte fahren. Da habe ich Jahrzehnte meines Lebens auf dem Sattel zugebracht, bin mit dem Mountain Bike quer über die Balearen gegurkt und die Harzer Berge hoch- und zwangsläufig auch wieder runter gefahren — alles ohne nennenswerte Unfälle gehabt zu haben. Und nun fahre ich 623 Meter, um kurz was reinzureichen, alles im Hamburger Stadtgebiet ohne echte Geländeherausforderungen, und rutsche von der Pedale. Und auch noch so dusselig, dass ich mich mit dem Fuß verhake, ihn also nicht zum Abstützen nehmen kann. Ende vom Lied: Ich schlage aus der Fahrt seitlich um, einem Mehlsack gleich, und bremse mit Brustkorb und Schulter. Gut, werden Sie anmerken, kann man machen, aber wozu gibt es Bremsen? Die Frage stellte ich mir in Bruchteilen einer Sekunde auch, bevor ich ordentlich auf dem Asphalt aufschlug. Neben — in der Retrospektive — einer derart belanglosen Frage lief mein bisheriges Leben wie ein Kurzfilm vorm inneren Auge ab. Alle Leichen im Keller, alle Jugendsünden, alle Glücksmomente, Dorothea, mit der ich entgegen der Grundschul-Verhaltensmaßregeln gespielt habe, obwohl sie ein Mädchen war, die Geburt meiner Kinder, das Klopfen meiner Frau auf meinen Rücken bei unserem ersten Date (weil sie vor Aufregung nicht wusste, ob sie mich greifen und küssen oder doch lieber das Weite suchen sollte) — ja, sogar die Hochzeitsglocken vermeinte ich vernommen zu haben, aber es können auch Nachwirkungen des Aufpralls gewesen sein.
Die erste Frage meiner Frau war übrigens nicht, ob es mir gut geht oder ob ich Hilfe brauche, sondern: “Hat dich jemand gesehen? Ist ja sonst peinlich, wenn das die Runde macht!” [Ich liebe dich trotzdem.]

Zu allem Überfluss hatte einer der Freunde meiner Söhne Geburtstag. (Eine Tatsache, die ja an und für sich nicht weiter Besorgnis erregend und schon garnicht überflüssig ist.) Neue Skates hat er bekommen, aber die fahren noch mit ihm, nicht umgekehrt. Ich streckte ihm die Hand hin, wie man das halt so macht als fürsorglicher Familienvater, aber das Coolness-Gen eines sieben Jahre alten Jungen ist mit solchen Gesten nicht kompatibel. Und so nahm die Verkettung von unglücklichen Ereignissen ihren Lauf. Das Rudern mit den Armen deutete ich zwar als Alarmsignal, nicht aber Tom. Sicher, ein zwei Meter hohes CD-Regal bietet scheinbare Sicherheit, wenn der Körper aus dem Gleichgewicht kommt. Dieses aber war leider nicht festgedübelt, bei Firma Fischer waren zum Zeitpunkt des Aufbaus wohl gerade Betriebsferien oder es herrschte ein Rohstoffmangel — wie dem auch sei, das Regal begab sich (in Analogie zur Weltwirtschaft) mit dem Jüngling auf Talfahrt. Diesmal war für den Film meines Lebens vor dem geistigen Auge keine Zeit, erst stand ich in einem CD- und Blumentopfregen, dann steckte eine Ecke des Möbels in meiner Stirn. Gut, werden Sie sagen, kann man machen, muss man aber nicht. Auch da pflichte ich Ihnen bei. Das Handicap vom Fahrradsturz verhinderte eine schnelle, adäquate Reaktion. Schnelle Bewegungen und Schutzreflexe waren daher meine Sache nicht. Wie schrieb Cindy von der Blogwiese doch so richtig:

“ohje, soviel schaffen nicht mal welche in ihrem ganzen Leben *gg*”

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen, denke ich. Außer vielleicht einem kleinen Bildchen von der lädierten Bloggerstirn, fachfraulich versorgt von Frau Klemmchen, die erfahrene OP-Schwester ist.
blogger-stirn

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8 Kommentare zu „The Black Weekend“

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