Archiv für 21. April 2009
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150mm, 1/200 Sek., f4.5, ISO 100. Aufgenommen an der Elbtreppe in Hamburg.
“The release of atom power has changed everything except our way of thinking. Thus we are drifting toward a catastrophe beyond comparison [...] the solution to this problem lies in the heart of mankind. If only I had known, I should have become a watchmaker.”
(“Die Freisetzung der Atomkraft hat alles verändert außer unserer Denkweise, und deshalb treiben wir auf eine Katastrophe zu, die nicht ihresgleichen hat [...] die Lösung des Problems liegt im Herzen der Menschheit. Hätte ich das nur geahnt, wäre ich Uhrmacher geworden.”)
[Albert Einstein]
Mit einigem Genuss habe ich den Artikel “20 of the Worst Action Film Stars of All Time” gelesen, obwohl mein Französisch etwas eingerostet ist.
Ganz abgesehen davon, dass jemand in einem Film “starred” und nicht, wie im Artikel vorgeschlagen “stared”, denn dann würde er ja lediglich starren — starren im Sinne von glotzen –, ist die Aufzählung schon recht gelungen.
Allerdings gibt es dazu einiges anzumerken:
Brigette Neilson in “Red Sonja“: Googlen Sie mal spaßeshalber “Brigette Neilson” — da schlägt Ihnen die Suchmaschine gleich “Brigitte Nielsen” vor, und das zu Recht. Meine Schüler in der Berufsschule beschweren sich regelmäßig, was man so aus ihren Namen machen kann. So vergewaltigt wie der Name der dänischen… der dänischen… Schauspielerin Frau Schönheitschirurgen?-Phantasie jedoch wurde ein Name selten. Das hat sie nicht verdient, auch wenn sie schauspielerisch eher als Kollateralschaden zu bezeichnen ist. Der Film “Red Sonja” von 1985 übrigens hätte es verdient, in einer Senke des Vergessens abzutauchen. RIP. Was schrieb das Lexikon des internationalen Films damals?
Ein streckenweise arg primitiv geratener Fantasy-Film mit komödiantischen Zugaben und, immerhin, hervorragenden Landschaftsaufnahmen.
Immerhin hervorragende Landschaftsaufnahmen. Na, wenn das kein Prädikat ist! Regisseur Richard Fleischer hat übrigens auch “Conan, der Zerstörer” verbrochen, den Nachfolger von “Conan, der Barbar“. “Red Sonja” ist streng genommen filmische Barbarei.
BTW: Schauspielerisch hätte man den Steiermarker Arnold Scharzenegger, heute Gouverneur des US-Bundesstaates Kalifornien, ebenfalls in die Kategorie “Schlechte Action-Helden” packen können, aber vermutlich hat er sich durch genau zwei Filmauftritte gerettet: Die “Terminator“-Trilogie (im ersten Teil hatte der Österreicher 17 Sätze mit etwa 70 Worten zu sprechen — besser ist das!) und “True Lies”, nicht nur dank Jamie Lee Curtis ein durchaus sehr sehenswertes Machwerk.
Steve Austin in “The Condemned“: Body-Builder werden Schauspieler, Wrestler werden Schauspieler — lassen wir doch Steve Austin seinen Spaß! Den Film muss ja niemand ansehen, ich für meinen Teil melde mich freiwillig als Erster ab von jeder Vorführung, aber wenn jemand, aus welchen Gründen auch immer, nicht über den geistigen Schwamm zum Aufsaugen von Filmen wie “Aus der Mitte entspringt ein Fluss”, “Babel” oder “L.A.Crash” verfügt, dann soll er sich halt Steve Austin ansehen. Todesfälle gab es in diesem Zusammenhang noch nicht, soweit ich weiß, und außerdem ist ja jeder seines Glückes Schmied.
Der worst on-liner ist aber nicht so schlecht: “Sounds like you’ve had a hard life…good thing it’s over!” (Nicht vor Intelligenz triefend, aber nicht so schlecht.)
Corey Haim in “Prayer for the Rollerboys“: Über wem breiten wir zuerst den Mantel des Vergessens aus: Über dem gebürtigen Kanadier oder über der Zelluloid-Verschwendung? Wie steht es doch im Artikel?
This film simply should not have been created – ever.
George Clooney in “Batman & Robin“: Vielleicht war ich betrunken oder hatte eine schlechte Lebensphase, aber ich habe den Film nicht als wirklich schlecht in Erinnerung. Ich denke, ich muss ihn noch mal ansehen, vielleicht. Als Argument kann ich (Zitat) “Clooney is just too pretty to act in a rubber suit” so nicht stehen lassen. Zu hübsch, um glaubwürdig zu sein? Ist George Clooney hübsch? Und wenn ja: Wurde Bruce Wayne je als hässlich beschrieben? Er ist schließlich Milliardär und kann sich alle Pflegelinien dieser Erde leisten. Und jeden Schönheitschirurgen und jede Botulinumtoxin-Falten-Behandlung obendrein.
John Cena in “The Marine“: Jepp, hier kann ich mitreden. Den Film habe ich zu gefühlten 4,73 Prozent gesehen. Lief auf Premiere, der Tag war verregnet, die Familie ausgeflogen, und ich hatte frei und nur geringe Motivation, aufzustehen — ich glaube, das war nach dem Fahrradsturz. Nein, wirklich, Handlung und Cast waren einfach unsäglich. Immerhin hatte ich ausreichend Motivation, nach etwa 10 Minuten die Fernbedienung zur Hand zu nehmen und umzuschalten.
Shaq in “Steel“: Luster, bleib bei deinen Scheisten! Wrestler können nicht zwangsläufig schauspielern, Paris Hilton auch nicht, warum sollte Shaquille Rashaun O’Neal, einer der begnadetsten Basketballer aller Zeiten, das dann können? Er spielt für die Phoenix Suns, ich hoffe, ich bin da in meinem Urteil über sein sportliches Können nicht voreingenommen. Ich finde sogar den Sportwart der Suns gut, glaube ich. Damals, 1984, bin ich in Phoenix (genauer gesagt: Im Vorort Scottsdale) zur Schule gegangen. Ich habe zwar die Suns oft live spielen sehen*, Shaq aber leider nicht. Den Film habe ich auch nicht gesehen, aber auch nichts verpasst, denke ich.
Martin Lawrence in den “Bad Boys“-Filmen: Die Filme waren echt Kracher, aber, wir wir alle wissen, funktionieren die meisten Buddy Movies nach diesem Schema: Zwei möglichst unterschiedliche Charaktere raufen sich zusammen und bestehen (oft wider Willen und Erwartung) haarsträubende Abenteuer.
Beispiele? Shrek & Esel, Laurel & Hardy, Tony Curtis & Sidney Poitier in “The Defiant Ones“, Nick Nolte & Eddie Murphy in den “48 Stunden“-Filmen, Susan Sarandon & Geena Davis in “Thelma & Louise“, Steve Martin & John Candy in “Planes, Trains and Automobiles” — die Liste ließe sich auswalzen, bis sie keiner mehr lesen mag. Alle Charaktere auf unterschiedlichen Stufen — sei es gesellschaftlich, intellektuell, von der Pigmentierung her oder vom Körperbau.
Und hier nun das Paar Martin Lawrence und hier, Dingenskirchen,… Willy Schmidt. Dann überlassen wir halt Martin den Part des etwas behäbigeren Knalldullies — irgendwie passt das schon so. (Zitat) “as Martin Lawrence was more like an annoying backseat driver than a believable cop”. Was ich schon für Polizisten kennenlernen musste, dagegen ist die Performance von Lawrence Gold Standard. Einspruch, Euer Ehren!
Nicholas Cage in “The Rock“: Vielleicht war ich auch hier angeschickert oder stand unter Drogen, aber ich fand sowohl den Film als auch Cage nicht schlecht. Da gibt es ganz andere Kaliber mit “dem Käfig”: “Next” zum Beispiel, oder “Ghost Rider“. Die sind richtig schlecht. Aber “The Rock“?
So, das war’s. Ich muss noch ernsthaften Tätigkeiten nachgehen. Mit dem Rest der Auswahl bin ich d’accord.
Oder warten Sie mal, Jennifer Garner… ach nein, “Elektra” war wirklich nix. “She may be the ultimate kick ass fan boy fantasy, but that in no means qualifies her to be an action star.” Aber wer Ben Affleck ehelicht, der hat’s auch nicht besser verdient und muss in so einer Liste auftauchen. Je mehr ich darüber nachdenke: In “The Kingdom” war sie echt gut.
* Früher war ja alles besser! Ich habe Larry Bird von den Boston Celtics und Magic Johnson sowie Kareem Abdul-Jabbar von den L.A. Lakers live erlebt. * DIEBISCH FREU *
Als Kinder- und Jugendbuch wird “Meg Finn und die Liste der vier Wünsche” gehandelt — ich habe beide Lebensabschnitte weit hinter mir gelassen, aber, wie schon Erich Kästner einst sagte: “Die meisten Menschen legen ihre Kindheit ab wie einen alten Hut. Sie vergessen sie wie eine Telefonnummer, die nicht mehr gilt.” Und ich schleppe meine Kindheit mit wie einen alten Hut, von dem man nicht lassen möchte. Und das ist gut so!
Ganz abgesehen davon ist dieser Roman einer der lesenswertesten der letzten Jahre. Eoin Colfer, ehemaliger Grundschullehrer aus dem irischen Wexford, Autor der “Artemis Fowl”-Reihe, hat ein grandioses Stück Literatur unter die Menschheit gestreut. Einen klugen, scharfsinnigen und witzigen Roman. Obschon Meg Finn gleich im ersten Kapitel des Buches das Zeitliche segnet, wobei aufgrund der Tatsache, dass sie von einem explodierenden Gastank getötet wird, “gesegnet” vielleicht nicht ganz das passende Wort ist, ist das Buch per se kein Roman über den Tod, sondern auch und gerade über das Leben. (Der Tod ist als finaler Abschnitt des Lebens ein ganz entscheidender und nicht wegzudiskutierender Teil desselben.)
Tragisch, dass Meg erst 14 Jahre alt ist. Ihr Partner bei den Aktionen ihres ziemlich verkorksten Lebens ist Belch, älter als sie (“[...] ich bin sechzehn, und damit voll für meine Taten verantwortlich.”) und Besitzer eines Pitbulls namens Raptor. Während bei Meg zeimlich früh klar wird, dass unter der harten Schale ein guter Kern steckt, ist Belch grob, das exakte Gegenteil von feinfühlig — und ein klarer Kandidat für die Hölle. Den Weg dorthin kann er schneller beschreiten als gedacht.
Und dann kam der Riesenfehler. Der eine, der all die anderen Fehler dieser Nacht des Stümperns geradzu lächerlich erscheien ließ. Es war der letzte Fehler, den Belch je machen sollte.
Was kann schlimmer sein, als bei einem Rentner einzubrechen, der eine Waffe hat? Diese Waffe an sich zu nehmen, den alten Herrn mit Hundebisswunde blutend seinem Schicksal zu überlassen — und auf seine Partnerin Meg zu schießen, direkt vor einem rostigen Gastank, welcher, von einer der Schrotkugeln getroffen, nichts besseres zu tun hat, als zu explodieren.
Die ersten Momente als Geist sind ziemlich verwirrend. Der Verstand denkt, alles sei so wie immer, und versucht, die Gesetze der Physik auf die Geisterwelt anzuwenden.
Belch muss allerdings auch mit 16 sein Leben lassen und wandert als Pitbull-Belch-Melange mit Meg durch den langen Sortiertunnel.
Da, wo’s zur Hölle geht, biegt die eigentümliche Kreatur ab, aber bei Meg ist die Sache nicht so klar: Sie steht auf der Kippe — und knallt erstmal vor eine Wand. (“Zwar hatte Geschwindigkeit in der spirituellen Welt keine Bedeutung, weil die Regeln der Kinetik nicht galten, aber weh tat es trotzdem.”)
“Vierzehnjährige starben nicht; sie machten eine schwierige Phase durch”, aber an der Tatsache, tot zu sein, kommt sie nicht vorbei. Lieber in den Himmel, denkt sie, malt sich aus, wie sie Petrus ihre schlimme Kindheit mit Franco, dem unsympathischsten und bösartigsten Ex-Partner einer verstorbenen Mutter, den man sich nur vorstellen kann, glaubhaft darlegen und so Zutritt zum Himmel erlangen könnte — aber die Pläne der Post mortem-Seelen-Verwertungs-Sozietät sind irgendwie anders.
Lichter geben an, wie es um den Deliquenten steht; Meg erstrahlt in beiden Farben. Sie hat zu viel auf dem Kerbholz, um wirklich gut zu sein, ist aber gleichzeitig zu gut, um wirklich böse zu sein. Gemeinhin denkt man, Himmel und Hölle stünden einander wie verfeindete Bastionen unversöhnlich gegenüber, bei Eoin Colfer jedoch kommunizieren beide Etagen mit modernsten Mitteln. Als wären sie zwei Abteilungen desselben Clubs, aber irgendwie ist es ja auch so. Die hierarchischen Probleme, die Intrigen und gekränkten Eitelkeiten sind ohnehin sehr vertraut — Himmel und Hölle als Abbild des normalen Lebens.
Um hier mal die Abkürzung zu nehmen: Petrus, der unter seiner Tischplatte einen Vorhöllenknopf hat, mit seinem Job als Türsteher hadert (“Wieso musste er, der angeblich so einflussreich und wichtig war, die ganze Zeit vor den Toren sitzen, während alle anderen die Annehmlichkeiten des Himmels genossen?”) und Judas vor dem Fegefeuer bewahrt hatte, und Beelzebub, der kaum etwas mehr hasst, als Bub genannt zu werden, mit dem Dreizack gerne Seelen verdampft, von seltsamen Gestalten wie Myishi, dem Computergenie, umgeben ist und seinem Gameboy-spielenden Chef, Satan AKA Luzifer, die Seele von Meg frei Haus liefern soll, beschließen, Meg Finn wegen des Punktegleichstandes zurück zur Erde zu schicken, wo sie sich bewähren — oder eben versagen — soll. Die obere Etage möchte ihre Seele, die untere aber auch. Und Bub, seines Zeichens Dämon, beschließt, die Hunde-Mensch-Mixtur hinterzuschicken, damit das Ergebnis entsprechend ausfällt.
Wem soll Meg helfen? Ausgerechnet Lowrie, dem Rentner, den zu überfallen die letzte Tat ihres Lebens war. Lowries Bein ist noch immer von den Folgen des Bisses gezeichnet, aber er hat eine Liste mit vier Wünschen, die er vor seinem eigenen Tod noch abarbeiten möchte. Die Wünsche sind so ungewöhnlich wie der alte Mann, werden aber noch getoppt vom vermutlich ungewöhnlichsten Gespann seit Steve Martin und John Candy in “Planes, Trains and Automobiles”. Das Buch wird zum Roadmoviebook, ein Fernsehstudio, das Croke Park Stadium in Dublin und die Klippen von Moher sind unter anderem Orte des Geschehens. Es wird geküsst, Fußball gespielt und gespuckt, all das auf höchst amüsantem und literarischem Niveau.
Wie der Rentner und der Geist miteinander klar kommen, welche weltbewegenden Erkenntnisse sich ergebeben und wie die Geschichte ausgeht (“Petrus strich sich ein paarmal über den Bart. Das war schlimmer, als auf die Lottozahlen zu warten.”), das müssen Sie schon selber lesen. Eoin Colfers Roman ist die ideale Sommerlektüre. Und Frühlingslektüre. Meinetwegen lesen Sie es doch im Herbst oder Winter — Hauptsache, Sie führen sich dieses Kleinode zu Gemüte.
Nachsatz: Ich warne davor, “Meg Finn und die Liste der vier Wünsche” in der Öffentlichkeit zu lesen. Es kann befremdlich auf andere Menschen wirken, wenn man in einer rappelvollen U-Bahn sitzt und unversehens laut auflacht — und angesichts der Nachhaltigkeit des Geschriebenen das Grinsen auch nicht mehr aus dem Gesicht bekommt.
Wie bitte? Ob ich vom Verlag Geld bekommen habe, um das Buch hier so über den grünen Klee zu loben? Wäre mal eine Idee, den Verlag anzuschreiben und genau das vorzuschlagen, aber nein, ich mache das rein aus persönlichen Gründen.















