Mit einigem Genuss habe ich den Artikel “20 of the Worst Action Film Stars of All Time” gelesen, obwohl mein Französisch etwas eingerostet ist.
Ganz abgesehen davon, dass jemand in einem Film “starred” und nicht, wie im Artikel vorgeschlagen “stared”, denn dann würde er ja lediglich starren — starren im Sinne von glotzen –, ist die Aufzählung schon recht gelungen.

Allerdings gibt es dazu einiges anzumerken:

Brigette Neilson in “Red Sonja“: Googlen Sie mal spaßeshalber “Brigette Neilson” — da schlägt Ihnen die Suchmaschine gleich “Brigitte Nielsen” vor, und das zu Recht. Meine Schüler in der Berufsschule beschweren sich regelmäßig, was man so aus ihren Namen machen kann. So vergewaltigt wie der Name der dänischen… der dänischen… Schauspielerin Frau Schönheitschirurgen?-Phantasie jedoch wurde ein Name selten. Das hat sie nicht verdient, auch wenn sie schauspielerisch eher als Kollateralschaden zu bezeichnen ist. Der Film “Red Sonja” von 1985 übrigens hätte es verdient, in einer Senke des Vergessens abzutauchen. RIP. Was schrieb das Lexikon des internationalen Films damals?

Ein streckenweise arg primitiv geratener Fantasy-Film mit komödiantischen Zugaben und, immerhin, hervorragenden Landschaftsaufnahmen.

Immerhin hervorragende Landschaftsaufnahmen. Na, wenn das kein Prädikat ist! Regisseur Richard Fleischer hat übrigens auch “Conan, der Zerstörer” verbrochen, den Nachfolger von “Conan, der Barbar“. “Red Sonja” ist streng genommen filmische Barbarei.
BTW: Schauspielerisch hätte man den Steiermarker Arnold Scharzenegger, heute Gouverneur des US-Bundesstaates Kalifornien, ebenfalls in die Kategorie “Schlechte Action-Helden” packen können, aber vermutlich hat er sich durch genau zwei Filmauftritte gerettet: Die “Terminator“-Trilogie (im ersten Teil hatte der Österreicher 17 Sätze mit etwa 70 Worten zu sprechen — besser ist das!) und “True Lies”, nicht nur dank Jamie Lee Curtis ein durchaus sehr sehenswertes Machwerk.

Steve Austin in “The Condemned“: Body-Builder werden Schauspieler, Wrestler werden Schauspieler — lassen wir doch Steve Austin seinen Spaß! Den Film muss ja niemand ansehen, ich für meinen Teil melde mich freiwillig als Erster ab von jeder Vorführung, aber wenn jemand, aus welchen Gründen auch immer, nicht über den geistigen Schwamm zum Aufsaugen von Filmen wie “Aus der Mitte entspringt ein Fluss”, “Babel” oder “L.A.Crash” verfügt, dann soll er sich halt Steve Austin ansehen. Todesfälle gab es in diesem Zusammenhang noch nicht, soweit ich weiß, und außerdem ist ja jeder seines Glückes Schmied.
Der worst on-liner ist aber nicht so schlecht: “Sounds like you’ve had a hard life…good thing it’s over!” (Nicht vor Intelligenz triefend, aber nicht so schlecht.)

Corey Haim in “Prayer for the Rollerboys“: Über wem breiten wir zuerst den Mantel des Vergessens aus: Über dem gebürtigen Kanadier oder über der Zelluloid-Verschwendung? Wie steht es doch im Artikel?

This film simply should not have been created – ever.

George Clooney in “Batman & Robin“: Vielleicht war ich betrunken oder hatte eine schlechte Lebensphase, aber ich habe den Film nicht als wirklich schlecht in Erinnerung. Ich denke, ich muss ihn noch mal ansehen, vielleicht. Als Argument kann ich (Zitat) “Clooney is just too pretty to act in a rubber suit” so nicht stehen lassen. Zu hübsch, um glaubwürdig zu sein? Ist George Clooney hübsch? Und wenn ja: Wurde Bruce Wayne je als hässlich beschrieben? Er ist schließlich Milliardär und kann sich alle Pflegelinien dieser Erde leisten. Und jeden Schönheitschirurgen und jede Botulinumtoxin-Falten-Behandlung obendrein.

John Cena in “The Marine“: Jepp, hier kann ich mitreden. Den Film habe ich zu gefühlten 4,73 Prozent gesehen. Lief auf Premiere, der Tag war verregnet, die Familie ausgeflogen, und ich hatte frei und nur geringe Motivation, aufzustehen — ich glaube, das war nach dem Fahrradsturz. Nein, wirklich, Handlung und Cast waren einfach unsäglich. Immerhin hatte ich ausreichend Motivation, nach etwa 10 Minuten die Fernbedienung zur Hand zu nehmen und umzuschalten.

Shaq in “Steel“: Luster, bleib bei deinen Scheisten! Wrestler können nicht zwangsläufig schauspielern, Paris Hilton auch nicht, warum  sollte Shaquille Rashaun O’Neal, einer der begnadetsten Basketballer aller Zeiten, das dann können? Er spielt für die Phoenix Suns, ich hoffe, ich bin da in meinem Urteil über sein sportliches Können nicht voreingenommen. Ich finde sogar den Sportwart der Suns gut, glaube ich. Damals, 1984, bin ich in Phoenix (genauer gesagt: Im Vorort Scottsdale) zur Schule gegangen. Ich habe zwar die Suns oft live spielen sehen*, Shaq aber leider nicht. Den Film habe ich auch nicht gesehen, aber auch nichts verpasst, denke ich.

Martin Lawrence in den “Bad Boys“-Filmen: Die Filme waren echt Kracher, aber, wir wir alle wissen, funktionieren die meisten Buddy Movies nach diesem Schema: Zwei möglichst unterschiedliche Charaktere raufen sich zusammen und bestehen (oft wider Willen und Erwartung) haarsträubende Abenteuer.
Beispiele? Shrek & Esel, Laurel & Hardy, Tony Curtis & Sidney Poitier in “The Defiant Ones“, Nick Nolte & Eddie Murphy in den “48 Stunden“-Filmen, Susan Sarandon & Geena Davis in “Thelma & Louise“, Steve Martin & John Candy in “Planes, Trains and Automobiles” — die Liste ließe sich auswalzen, bis sie keiner mehr lesen mag. Alle Charaktere auf unterschiedlichen Stufen — sei es gesellschaftlich, intellektuell, von der Pigmentierung her oder vom Körperbau.
Und hier nun das Paar Martin Lawrence und hier, Dingenskirchen,… Willy Schmidt. Dann überlassen wir halt Martin den Part des etwas behäbigeren Knalldullies — irgendwie passt das schon so. (Zitat) “as Martin Lawrence was more like an annoying backseat driver than a believable cop”. Was ich schon für Polizisten kennenlernen musste, dagegen ist die Performance von Lawrence Gold Standard. Einspruch, Euer Ehren!

Nicholas Cage in “The Rock“: Vielleicht war ich auch hier angeschickert oder stand unter Drogen, aber ich fand sowohl den Film als auch Cage nicht schlecht. Da gibt es ganz andere Kaliber mit “dem Käfig”: “Next” zum Beispiel, oder “Ghost Rider“. Die sind richtig schlecht. Aber “The Rock“?

So, das war’s. Ich muss noch ernsthaften Tätigkeiten nachgehen. Mit dem Rest der Auswahl bin ich d’accord.

Oder warten Sie mal, Jennifer Garner… ach nein, “Elektra” war wirklich nix. “She may be the ultimate kick ass fan boy fantasy, but that in no means qualifies her to be an action star.” Aber wer Ben Affleck ehelicht, der hat’s auch nicht besser verdient und muss in so einer Liste auftauchen. Je mehr ich darüber nachdenke: In “The Kingdom” war sie echt gut.

* Früher war ja alles besser! Ich habe Larry Bird von den Boston Celtics und Magic Johnson sowie Kareem Abdul-Jabbar von den L.A. Lakers live erlebt. * DIEBISCH FREU *

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4 Kommentare zu „Actionhelden, schlechte welche“

  • sylv2281:

    Jennifer war in “Elektra” eine Katastrophe. Und wie man in zwei Worten so viele Schreibfehler unterbringen kann… Ts ts ts, Ohrtograpfie isst Glücksache. (Oder zumindest so ähnlich.) Schöne Zusammenstellung als Ergänzung zum Originalartikel.

  • Muwistaah:

    Wenn Du dem geneigtem Leser schon unbedingt “Red Sonja” wieder in Erinnerung rufen musst, so hättest Du wenigstens einen Blick in die Zukunft werfen können. Stichworte: Rose McGowan & Robert Rodriguez.

    • @ Muwistaah: Jau. In “Planet Terror” hat Rose McGowan unter der Regie von Robert Rodriguez die Go-Go-Tänzerin Cherry gegeben. Eine großartige Trash-Hommage an Old school-B-Movies und Teil eines Double features mit Quentin Tarantinos “Death Proof”.
      Nun wollen beide wieder gemeinsam arbeiten und “Red Sonja” reanimieren. Dafür trainiert McGowan wohl schon fleißig — Schwerttechniken und Kampf. Man darf gespannt sein — im Oktober sollen die Dreharbeiten beginnen.

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