“Predator” — Sie erinnern sich vermutlich. Arnold S., seines Zeichens heutzutage und im echten Leben amtierender Gouverneur des US-Bundesstaates California, und seine Kumpel von der Spezialeinheit wollen eigentlich in Zentralamerika einen Minister aus Rebellenhänden befreien, treffen aber auf so ein fieses, mieses Monster “from outer space”, das ein Schlachtefest eröffnet. So weit, so bekannt, der Film ist 22 Jahre alt, gilt als Genre-Klassiker und gehört wirklich nicht zum Schlechtesten, was Hollywood auf den Markt geworfen hat. Aus diesem Film sollen wir Lebenslektionen mitnehmen?
Eines dieser Fundstücke, die allein schon vom Titel meine Aufmerksamkeit erregt haben: 8 Life Lessons We Can All Learn from “Predator”.
Meine Highlights:
Payback Is A Bitch: … this scene should make you think twice about the consequences before you do something to piss off someone else.
(Rache ist ein Miststück: … diese Szene sollte Sie zweimal über die Konsequenzen nachdenken lassen, bevor Sie etwas tun, was jemand anderen wütend macht.)
Ein gewisser Wahrheitsgehalt ist nicht zu leugnen, aber brauchen wir für diese profunde Erkenntnis “Predator”?
Just because you’re the boss doesn’t mean you get a free pass to suck.
(Nur weil Sie der Chef sind, bedeutet das nicht, dass sie einen Freifahrtsschein haben, Scheiße zu sein.)
Stimmt. Scheiße ist weder an Rang und Namen geknüpft, noch richtet sie sich nach Hierarchien. Und doch ist es so, dass sehr oft die Führungsetage den Umstand, Scheiße zu sein, mehr als bis zur Neige auskostet — und meistens damit auch noch durchkommt.
Upon storming the guerrilla camp, Blain takes a bullet. When he’s asked about it, he replies simply, “I ain’t got time to bleed.” [...]
Somehow, we find time to update our Twitter and Facebook pages 30 times a day, while this guy doesn’t even have time to bleed. A lot more would get done if we shared his sense of urgency.
(Während der Erstürmung des Guerrilla-Lagers trifft Blain eine Kugel. Danach gefragt, antwortet er nur: “Ich habe keine Zeit zu bluten.” [...]
Irgendwie finden wir Zeit, unsere Twitter- und Facebook-Seiten 30 mal am Tag zu aktualisieren, während dieser Kerl nicht einmal Zeit hat zu bluten. Einiges mehr könnte geschafft werden, würden wir seinen Dringlichkeitssinn teilen.)
Passt schon. Ich habe manchmal nicht einmal die Zeit, keine Zeit zu haben. Ich kenne das nur zu gut. Neulich, ich pflegte gerade ambulant zu pflegen, wurde der Befüllungsstand der Harnblase geradezu lästig, aber ich hatte einfach keine Zeit, dem nachzugeben. Irgendwann, nachdem nur noch der äußere Schließmuskel den Blaseninhalt zurückhielt und der Urin im Hirn schon toxische Wirkungen entfaltete, ging es nicht mehr anders, und ich musste in die Station fahren und… naja, Sie wissen schon. Bei Kunden geht man nicht auf’s Klo, fahren Sie mal ambulant, dann verstehen Sie das.
Hat man lange zugekniffen, dann kommt es schon mal vor, dass man — durch einen Spasmus bedingt — tröpfchenweise und ewig lange… naja, das halt. Ich wurde ärgerlich, stinksauer auf meine Harnproduktion, die Harnblase, den Schließmuskel. Ich präzisiere: Ich wäre unter normalen Umständen stinksauer geworden, aber ich hatte dafür einfach keine Zeit.
When In Doubt, Fire Wildly Into The Woods [...] It’s not the most efficient model for getting things done, but it’s a lot better than sitting back and doing nothing.
(Im Zweifelsfall feuern Sie wild in den Wald [...] Es ist nicht der effektivste Weg, etwas zu erledigen, aber es ist um einiges besser als sich zurückzulehnen und nichts zu tun.)
Aha. Soso. Feuern in den Wald. Als Allegorie für Aktionismus mag das ja noch angehen, aber wie wir in der aktuellen Weltwirtschaftskrise sehen können, ist Aktionismus auch nicht immer die Lösung aller Probleme. Zurücklehnen und nichts tun jedoch auch nicht. Bei mir scheitert das Feuern in den Wald schon daran, dass es mir an Schusswaffen mangelt. Aber vielleicht tut es im Notfall auch eine Wasserpistole? Fakultativ könnte ich es auch mit Wattetupferwürfen versuchen. Auf jeden Fall: In den Wald. Das merke ich mir.
Never Rely On The Help Of Others [...] Self-reliance is a valuable trait to have, whether you’re in the jungle or trying to get something on a really high shelf at Home Depot.
(Vertraue nie auf die Hilfe anderer [...] Eigenständigkeit ist ein wertvoller Wesenzug, ob Sie im Dschungel sind oder versuchen, etwas auf einem richtig hohen Brett im “Home Depot” zu ergattern.)
Ja, stimmt, vorzugsweise macht man alles alleine. Fremde Hilfe kann kommen — muss aber nicht. Dann lieber die Ärmel hochkrempeln und selbst Hand anlegen. Aber auch das ist keine exklusive “Predator”-Weisheit.
All this talk about killing is simply a metaphor for getting things done. With strategy, cooperation and lots of hard work, there really isn’t anything that can’t be accomplished. It also helps if you bring a bunch of of machine guns.
(All das Gerede über das Töten ist einfach eine Metapher dafür, etwas zu schaffen. Mit Strategie, Kooperation und viel harter Arbeit gibt es wirklich nichts, was nicht bewältigt werden kann. Es hilft zudem, wenn Sie einen Haufen von Maschinenpistolen mitbringen.)
D’accord. Strategie, Kooperation, harte Arbeit — passt somit zu fast allem, was uns “Predator” bislang gelehrt hat. Selbst machen, statt auf fremde Hilfe zu vertrauen, im Zweifelsfall in den Wald schießen.
Wobei: Was hat Feuern in den Wald mit Strategie zu tun? Und: Rache ist ein Miststück, schon vergessen? Wenn das, was man erledigen möchte, nicht durch Maschinenpistolen zu schaffen ist, wird es vermutlich richtig mächtig sauer. Ganz abgesehen davon, dass Otto-Normal-Blogger wie ich über ein sehr beschränktes Waffenarsenal verfügen — Wattetupfer und Wasserpistolen, Sie wissen schon.
Da lacht sich so ein “Raubtier” doch tot. Auch eine Variante, ihm beizukommen…
















[...] Sie zum Thema Aktionismus auch “Lebenslektionen vom “Predator“, Puinkt 4: Feuern in den [...]