Archiv für Mai 2009

…wenn ich heute mit dem Bloggen aufhörte, diese Lücke würde mich vollständig ersetzen.

Der Konjunktiv weist darauf hin, dass ich es nicht zwangsläufig plane, aber zuweilen denke ich darüber nach. Warum? Es ist, wie es ist, man darf das Bloggen nicht so wichtig nehmen, man darf sich nicht so wichtig nehmen.

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Der Himmel würde niemandem auf den Kopf fallen, das Leben ginge weiter seinen gewohnten Gang.

Nur ein Gedankenspiel, aber es ist, wie es ist. Die Welt käme ohne dieses Blog aus. Über Pfingsten heiraten Freunde von uns, wir sind die Trauzeugen. Möglicherweise gibt es in den nächsten Tagen keine Einträge. Aber hoffentlich ein brauchbares Pfingstfest mit einer gelungenen Hochzeit und einer ebenso gelungenen Familienzusammenführung. Die Familien der Braut und des Bräutigams kennen sich nämlich noch nicht und kommen zu allem Überfluss auch noch aus Ecken der Republik, wie sie konträrer kaum sein könnten: Zum einen aus Schermbeck und Mülheim an der Ruhr, zum anderen aus Chemnitz. Prallen Kulturen aufeinander? Werden sich die Familien vertragen?

Plötzlich kippte die Stimmung heute. Berlin ist eigentlich nicht so weit entfernt von Hamburg — was sind schon 260 Kilometer im Weltmaßstab? Aber nun muss neu gerechnet werden: 13 wollen nicht mehr mit, obwohl die Aufteilung der Lerngruppe auf die Autos schon feststand. Berlin muss ohne uns auskommen, die anatomische Sammlung der Charité auch. Und nun? Eisessen am Baggersee? Ein gruppendynamisches Rumsitzen in Lauenburg?

“Ich mag Euch sehr gerne, aber das hier ist jetzt echt — entschuldigt bitte — ein Kindergarten.”

Sagte die Klassensprecherin. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Höchstens, dass wir nun theoretisch in einen Fiat Cinquecento Platz hätten, würden wir denn nach Berlin fahren. (Sie wissen schon: Mathereform!)

Die neuesten Errungenschaften: Stative. (Wie langweilig.)

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Ich konnte ein Einbeinstativ (Monostat RS16SK Compact ART) mit einem Kugelkopfstativ Dörr Professional Line F30 gebraucht erstehen. Und endlich habe ich meinen Joby Gorillapod Focus.

Als Verstärkung des klassischen Dreibein-Stativs von Bilora, schon seit bestimmt 20 Jahren im Einsatz, war der Gorillapod schon seit längerer Zeit im Gespräch. Zum Geburtstag gab es dann kürzlich die Edel-Variante, den Gorillapod Focus, der bis zu 5 Kilogramm tragen kann. Es fehlt lediglich ein verstellbarer Kopf, denn der würde das Ausrichten bei der Bildkomposition erheblich erleichtern. (Im Bild ist der Gorillapad übrigens nicht die lange Stange, sondern das — Geisha-Kugeln nicht unähnliche — um die Stange gewundene Gebilde.) 500 Gramm schleppt man mit sich, wenn man es denn mitnimmt, und es lässt sich so ziemlich überall drumschlingen, wenn’s sein muss, auch um den Kopf des Schwiegervaters. (Der dann ein bisschen aussieht wie der Hauptdarsteller des Films “The Man Who Was Attacked by an Octopus Baby” — den Sie vermutlich nicht kennen, denn ich werde ihn erst in einiger Zeit mit Bruce Willis, Reiner Calmund oder einem völlig unbekannten Laiendarsteller im Billebad Bergedorf drehen.) Sehr flexibel, dabei äußerst stabil — Prädikat: Genial!

Der neu erstandene, jedoch gebrauchte Kugelkopf von Dörr lässt sich sehr elegant am Gorillapod befestigen, das Problem mit der Ausrichtung im Raum wäre also gelöst. Bringt 300 Gramm auf die Waage und hat eine Fixierschraube für die Kugelklemmung sowie eine Friktionsschraube. (Die Friktion schränkt den Verstellweg der Feststellschraube ein und verhindert ein unabsichtliches Abkippen der aufgesetzten Kamera bei gelockerter Feststellschraube. Die Gefahr des Abkippens ist bei schwererer Kamera-Objektiv-Kombination natürlich größer, deshalb kann via Friktionsschraube der Kopf an unterschiedliche Gewichte angepasst werden.) Erste Tests erscheinen vielversprechend, die Einstellung geht zügig und ohne zusätzliches Werkzeug über die Bühne.

Das 640 Gramm schwere Einbeinstativ ist nicht aus Carbon oder anderen Leichtgewichten, macht aber einen soliden Eindruck. Die Höhenverstellung bis maximal 143 Zentimeter ist stufenlos durch Drehverschlüsse möglich. Der Gummifuß mit Stabilisator hält auch auf glatten Böden gut, ist breit genung, um nicht im aufgeweichten Boden zu versinken, und lässt sich um 60° zu allen Seiten neigen. Auch hier sind erste Versuche gut verlaufen.

Und wo wir schon mal beim Thema “Stative” sind: Warum Stative so unbeliebt, aber extrem nützlich sind, erörtern die Buxtehuder Fotofreunde nachdrücklich, anschaulich und unterhaltsam.

Eine einfache Milchmädchenrechnung, die die Lehrkraft da aufgerissen hat. Eine neue Quadratur des Kreises, mit jovialem Lächeln unter der Hornbrille hervorgestoßen, nein, vielleicht doch eher geseufzt.

25 minus Jenny = 16

Ohne Hintergedanken, ohne jedwede Anspielungen auf voluminöse Expansionen des femininen Körpers, die es ohnehin nicht gibt.

glatze Möglich, dass die abrasierte Haarpracht Fisselansammlung auf dem Kopf einige Hirnzellen gekostet hat. Der Einwurf aber kam aus dem Plenum. Wie kommt man mit einer 25 Mann und Frau starken Lerngruppe nach Berlin? Indem man auf einen Kopf verzichtet und zwei Acht-Sitzer nimmt.

Kurzerhand Adam Riese herangezogen und Pi mal Daumen überschlagen: 25 minus Jenny = 16. So einfach kann höhere Mathematik sein: Wenn 25 Menschen in drei Acht-Sitzer nicht ganz hineinpassen, einer aber nicht mitfahren mag, dann bleiben (Moment, ich rechne gerade mit dem wissenschaftlichen Taschenrechner) genau 24 Menschen übrig, die in zwei motorgetriebenen Vehikeln à acht Plätzen gemütlich nach Berlin fahren können.

Es wurde auch langsam Zeit, die Mathematik-Reform voran zu treiben. Die Lerngruppe hat sich des Problems angenommen und es konsequent zu Ende gedacht. 25 minus Jenny ergibt nicht 24, sondern 16.

Na denn…

Des Lehrers kahlrasierte Platte, erst vor wenigen Stunden von einem Starfriseur (meiner Wenigkeit) nach allen handwerklichen Regeln der Friseurkunst (Schermaschine und Nassrasur) kreiiert und oben noch vom romantisch-diffusen Licht des Notebook-Bildschirms sanft verhüllt, sieht übrigens bei geringfügiger Beleuchtung besehen so aus: glatze2

Manchmal hat man als Dozent auch was zu schmunzeln.

Bestimmt haben Sie schon mal von Diabetes mellitus gehört, dem “honigsüßen Durchfluss”*, umgangssprachlich auch als Zuckerkrankheit bezeichnet. In einer Klausur stellte ich die Frage, welche Arten des Diabetes es gibt, wie man sie bezeichnet (und warum manche Namen nicht mehr verwendet werden), wie sie entstehen und welche Therapieprinzipien mit welchen Zielen zur Anwendung kommen.

In den Antworten tauchte der Begriff “juveniler Diabetes” auf. So bezeichnete man früher den Typ 1-Diabetes, der durch absoluten Insulinmangel nach autoimmun bedingter B-Zell-Zerstörung im Pankreas gekennzeichnet ist.

“Juvenil” meint jugendlich, Diabetes Typ 1 ist mit einer Erkrankung pro 1000 Kindern die häufigste Stoffwechselerkrankung bei jungen Manschen. Der Begriff “juvenil” wird in diesem Zusammenhang nicht mehr verwendet, weil auch der Typ 2-Diabetes, der früher vornehmlich ältere Menschen betroffen hat, immer häufiger auch bei Jugendlichen auftritt. Übergewicht, Bewegungsmangel und falsche Ernährungsgewohnheiten sorgen dafür, dass es zu einer Insulinresistenz und zu Insulinsekretionsstörungen kommt.

Ich hatte allerdings nicht mit einer so ausgeprägten Diversität in der Schreibweise des Wortes “juveniler” gerechnet. Das Highlight war:

juneviler Diabetes

Meine Frau, ebenfalls examinierte Gesundheits- und Krankenpflegerin (früher nannte man die einfach Krankenschwester), berät mich zuweilen, wenn es darum geht, ob ich im Zweifelsfall die volle Punktzahl vergeben soll oder nicht. Sie arbeitet im OP, durchläuft gerade die Fachweiterbildung “OP-Pflege”, und arbeitet meist in der Leberchirurgie. Da kann man schon mal betriebsblind werden, zumal die Schrift der Schülerinnen und Schüler nicht immer alle Kriterien der Lesbarkeit erfüllt.

Sie überflog die Passage in der Klausur und las

juneliver

Klar, es gibt Weihnachtsessen, Sommerkleidung und Herbstferien. Aber dass die Leber (im angelsachsischen Sprachraum “liver”) einem zeitlichen Wandel unterworfen ist, war mir neu. Aber es scheint so zu sein: Es gibt eine Junileber. Wie sie sich von der Augustvariante unterscheidet und ob die Novemberleber grundsätzlich anders aufgebaut ist, sollte in zukünftigen Studien überpüft werden.

Und als ich mir die Buchstaben, die im Wort “juveniler” vorkommen, genauer besah, formte sich vor meinen inneren Auge eine weitere Schreibvariante:

junilever

Eines der Produkte, die zum Imperium eines Unternehmens gehören, welches international so ausgesprochen wird, wie es oben geschrieben steht, hatten Sie im Laufe Ihres Lebens mindestens schon mal in der Hand. Wobei die Schreibweise mit einem J am Wortanfang natürlich nicht korrekt ist.

Aber es ist schon bemerkenswert, was sich aus dem Wort “juveniler” alles machen lässt.

* Für den Fall, dass Sie wissen möchten, warum man der Erkrankung diesen Namen verpasst hat, sollten Sie es den alten Medizinern gleichtun und mal einen Finger in den Harnstrahl eines Diabetikers halten und dann — daran lecken. Unsere Nieren gehen normalerweise mit Glukose sehr sparsam um, weil wir sie, zusammen mit Sauerstoff, in jeder Zelle für die Energiegewinnung benötigen. Die Nieren holen sich bei der Produktion von Urin alles wieder zurück, was noch benötigt wird. Da das Hormon Insulin Glukose den Übertritt vom Blut in die Zellen ermöglicht, fällt der bei Insulinmangel oder Insulinresistenz aus, und im Blut ist zu viel Zucker. Die Nieren bemerken, dass der Schwellenwert überschritten ist, und scheiden den Zuckerüberschuss über den Harn aus. Zucker im Kaffee macht Kaffee süß, Zucker im Urin macht entsprechend Pipi süß.

Die Zeiten ändern sich. Auch Ulf stellte kürzlich fest, dass man “anachronistisch” ist, wenn man mit Handbrühfiltern, Aufziehuhren und Rasiermessern hantiert.

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Die Verwendung von Kalendersystemen, Vinylplatten und Kolbenfüllern fällt ebenfalls darunter. Wie oft ich seltsam angesehen werde, wenn ich meinen Filofax auspacke, um Termine abzuklären, kann ich schon nicht mehr zählen. Dabei hat Papier eine sinnliche Komponente, ist unabhängig von Akkuständen und Strom und sehr spontan, gerade bei schnellen Notizen. Schallplatten haben einen warmen Klang, die Wahl eines bestimmten Liedes unterliegt nicht einer Nummer im Display, sondern genauer Kenntnis der Topographie auf der Vinyloberfläche. Und das Schreiben mit einer Feder ist unvergleichlich.

Meine Gitarre ist zwar nicht so alt, aber die Bauart gibt es seit 1950: Eine Fender Telecaster, klassisch und ohne jeden Schnickschnack, mit zwei Single coil-Pickups bestückt und in der Farbvariante “Butterscotch blonde”.

Heute gibt es kaum noch jemanden ohne Mobiltelefon. Hat klare Vorteile, aber sicherlich auch Nachteile. Man merkt, wie sich die Zeiten ändern, gerade bei der fernmündlichen Kommunikation. Jeder zweite Festnetzanruf beginnt mit den Worten: “Bist du zuhause?” (Reflektorisch möchte ich entgegnen: “Ja, wo soll ich denn sonst sein?”)
Als ich jung etwas jünger war, so vor 30 Jahren kürzlich erst, erübrigte sich diese Frage. Wer ans Telefon ging, das über eine Schnur mit der Wandsteckdose befestigt war, ja, wo bitte sollte der denn schon sein? Das erste Telefon, an das ich mich bewusst erinnern kann, war noch aus Bakelit und hatte einen Kawenzmann von Wählscheibe; die war mindestens so groß wie heute die kleinsten Handys. Heutzutage denken wir scheinbar kaum noch nach, wenn wir irgendwo anrufen. “Home zone” und Co. machen es möglich. Man kann überall sein. Außer vielleicht im U-Bahn-Tunnel, denn dort versagen Telefone noch immer ihren Dienst.

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Aufgenommen in einer kieferorthopädischen Praxis.

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