Archiv für 4. Mai 2009

Ich gestehe, ich bin ein Hemdenträger. T-Shirts mag ich irgendwie nicht. Klassisch, auch mal ungewöhnlich, aber Hemden müssen es sein. Daran geht kein Weg vorbei. Als Anzugträger jedoch bin ich weniger verschrien. Anzüge sind Kleidungsstücke für besondere Anlässe, die Uni und die Schule und das tägliche Einerlei gehören definitiv nicht dazu. Aber vielleicht sollte ich das nochmal überdenken. Zumindest der Einsatz eines Schlipses wäre zuweilen nicht verkehrt.

Heute morgen sitze ich in aller Herrgottfrüh’ im Auto, die Schüler warteten auf mich. Um Schlag acht Uhr sollte der Unterricht beginnenl. Ich funktioniere dann zwar meist ausreichend, komme aber daheim der Kinder wegen nicht so recht zum Frühstücken. “Müsli aufessen!” “Zieh bitte die Unterhose an!” “Zähne putzen, Mädels!” So ungefähr geht das morgens vor dem Frühhort und dem Kindergarten bei uns zu. Um sieben Uhr muss der erste abgeliefert werden, zehn nach dann der zweite, sonst haut das nicht hin. Die Fahrt von Hamburg nach Lauenburg zieht sich hin — 35 Kilometer, ständig Ortschaften, alles auf 70 runtergeregelt. Also wird der Kaffee im Auto verzehrt.

Gut, nun wissen Sie das. Aber was hat der Kaffeeverzehr im morgendlichen hamburgisch-holsteinischen Grenzgebiet mit Schlipsen und meiner Neigung zu Hemden zu tun? Was hat es mit dem Neologismus “Schlemd” auf sich?

Die Autobahn 25 zwischen Hamburg und Geesthacht ist eine Sambastrecke. “Uneven pavement”, sagt der Engländer dazu. Das ist mit einem angesetzten Kaffeebecher oft nicht in Einklang zu bringen. Das koffeinhaltige Getränk schwappte aus der kleinen Öffnung des Starbucks-Thermobechers und landete auf meinem frischen Hemd. Zeitkritisch ohne Wechselhemd unterwegs zu sein kommt dann garnicht gut. Einige Fluchtiraden später und nach einem gezielten Einsatz eines Papiertaschentuchs (“Tupfen, nicht reiben!”, hatte ich Mutters wohlmeinende Worte im Ohr) wünschte ich mir ein neues Hemd — oder fakultativ einen Schlips. Ich werde mir auf jeden Fall zukünftig einen solchen einstecken; man weiß ja nie, auf welche unglückliche Verkettung von Straßenhuckeln und Heißgetränken man treffen wird, und dann bin ich im Zweifelsfall mit einem Schlemd gut beraten.

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Tauben unter der Straßenbrücke B 404 bei Geesthacht. 150mm, 1/160 Sek., f4.5, ISO 400, Aufhellblitz.

Irgendwie erinnerte mich die kleine Taubenbande an eine Straßengang. Die drei Vögel saßen lange dort auf dem Pfeiler unter der Brücke, über ihnen donnerten die Fahrzeuge, vor ihnen die Elbe, und taxierten ihr Viertel. Ab und an landete mal eine weitere Taube und lieferte irgendwas ab, was die stämmige in der Mitte sofort näher in Augenschein nahm. Schutzgelderpressung? Tilgung alter Wettschulden?

“Macht ‘n Abflug, wir sind hier die Residents”, drückten die drei Gestalten mit jeder Feder ihrer Körper aus. Rhythmisches Gurren und Kopfnicken — fehlte lediglich der passende Gangsta-Rap.

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By Erik Rasmussen
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