Archiv für 23. Mai 2009

Manchmal hat man als Dozent auch was zu schmunzeln.

Bestimmt haben Sie schon mal von Diabetes mellitus gehört, dem “honigsüßen Durchfluss”*, umgangssprachlich auch als Zuckerkrankheit bezeichnet. In einer Klausur stellte ich die Frage, welche Arten des Diabetes es gibt, wie man sie bezeichnet (und warum manche Namen nicht mehr verwendet werden), wie sie entstehen und welche Therapieprinzipien mit welchen Zielen zur Anwendung kommen.

In den Antworten tauchte der Begriff “juveniler Diabetes” auf. So bezeichnete man früher den Typ 1-Diabetes, der durch absoluten Insulinmangel nach autoimmun bedingter B-Zell-Zerstörung im Pankreas gekennzeichnet ist.

“Juvenil” meint jugendlich, Diabetes Typ 1 ist mit einer Erkrankung pro 1000 Kindern die häufigste Stoffwechselerkrankung bei jungen Manschen. Der Begriff “juvenil” wird in diesem Zusammenhang nicht mehr verwendet, weil auch der Typ 2-Diabetes, der früher vornehmlich ältere Menschen betroffen hat, immer häufiger auch bei Jugendlichen auftritt. Übergewicht, Bewegungsmangel und falsche Ernährungsgewohnheiten sorgen dafür, dass es zu einer Insulinresistenz und zu Insulinsekretionsstörungen kommt.

Ich hatte allerdings nicht mit einer so ausgeprägten Diversität in der Schreibweise des Wortes “juveniler” gerechnet. Das Highlight war:

juneviler Diabetes

Meine Frau, ebenfalls examinierte Gesundheits- und Krankenpflegerin (früher nannte man die einfach Krankenschwester), berät mich zuweilen, wenn es darum geht, ob ich im Zweifelsfall die volle Punktzahl vergeben soll oder nicht. Sie arbeitet im OP, durchläuft gerade die Fachweiterbildung “OP-Pflege”, und arbeitet meist in der Leberchirurgie. Da kann man schon mal betriebsblind werden, zumal die Schrift der Schülerinnen und Schüler nicht immer alle Kriterien der Lesbarkeit erfüllt.

Sie überflog die Passage in der Klausur und las

juneliver

Klar, es gibt Weihnachtsessen, Sommerkleidung und Herbstferien. Aber dass die Leber (im angelsachsischen Sprachraum “liver”) einem zeitlichen Wandel unterworfen ist, war mir neu. Aber es scheint so zu sein: Es gibt eine Junileber. Wie sie sich von der Augustvariante unterscheidet und ob die Novemberleber grundsätzlich anders aufgebaut ist, sollte in zukünftigen Studien überpüft werden.

Und als ich mir die Buchstaben, die im Wort “juveniler” vorkommen, genauer besah, formte sich vor meinen inneren Auge eine weitere Schreibvariante:

junilever

Eines der Produkte, die zum Imperium eines Unternehmens gehören, welches international so ausgesprochen wird, wie es oben geschrieben steht, hatten Sie im Laufe Ihres Lebens mindestens schon mal in der Hand. Wobei die Schreibweise mit einem J am Wortanfang natürlich nicht korrekt ist.

Aber es ist schon bemerkenswert, was sich aus dem Wort “juveniler” alles machen lässt.

* Für den Fall, dass Sie wissen möchten, warum man der Erkrankung diesen Namen verpasst hat, sollten Sie es den alten Medizinern gleichtun und mal einen Finger in den Harnstrahl eines Diabetikers halten und dann — daran lecken. Unsere Nieren gehen normalerweise mit Glukose sehr sparsam um, weil wir sie, zusammen mit Sauerstoff, in jeder Zelle für die Energiegewinnung benötigen. Die Nieren holen sich bei der Produktion von Urin alles wieder zurück, was noch benötigt wird. Da das Hormon Insulin Glukose den Übertritt vom Blut in die Zellen ermöglicht, fällt der bei Insulinmangel oder Insulinresistenz aus, und im Blut ist zu viel Zucker. Die Nieren bemerken, dass der Schwellenwert überschritten ist, und scheiden den Zuckerüberschuss über den Harn aus. Zucker im Kaffee macht Kaffee süß, Zucker im Urin macht entsprechend Pipi süß.

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