Archiv für Mai 2009
Leon. An sich ein schöner Name. Aber wenn Sie den immer hören, den lieben langen Tag lang, wird’s langweilig. Wir haben einen Leon in der Nachbarschaft. Und Leon hat einen Bruder, der sich gerade adoleszenzbedingt mit dem Stimmbruch herumschlägt. Leon ist der kleine Bruder, der große ist unbestritten der Chef.
“Leeeeooooon, komm her.” “Hey. Leeeeeoooon, hör auf, du Spacken.” “Leeeeoooon, guck dir das mal an. Leeeeoooon, ohne Scheiß jetzt. Leeeeooooon.”
Ich habe heute am frühen Nachmittag auf dem Balkon gesessen und am Rechner gearbeitet. Leon und sein Bruder haben gerade Ferien, in Hamburg gibt es so etwas wie Maiferien. Ich habe mitgezählt, wollte das eigentlich eine halbe Stunde lang machen, habe jedoch nach 12 Minuten abgebrochen. Nahezu jeder Satz beginnt mit “Leon”, und die meisten hören auch so auf. Leon vor dem Haus, sein Bruder dahinter. (Oder umgekehrt.) Klar, da kann man rufen — muss man aber nicht. Leons Bruder tut es trotzdem. Auch in der Wohnung, bei gekippten Fenstern und offenen Balkontüren, stets mit dem wohligen Klang der stimmbrüchigen Stimme und weithin vernehmbar. Gedanken vernichtend vernehmbar.
In den 12 Minuten konnte ich meiner Liste 44 Striche hinzufügen. Dann hatte ich keine Lust mehr. Leons Bruder hat alle Erwartungen übertroffen. Passt aber in die Nachbarschaft. Die Do – re – mi – fa – sol – la - / Pluto-Nachbarschaft. Aber Sie haben bestimmt auch so eine, oder? Ja, und irgendwie sind wir ja auch Teil dieser Zweckgemeinschaft. Seine Nachbarn kann man sich selten aussuchen. Wer weiß, welche Eigenarten man bei uns entdecken (und bloggen) könnte…

Spermien passen irgendwie zu uns Jungs. Sie sind ungeduldig, jeder möchte der Erste sein, und bei diesen Anstrengungen bleiben leider einige auf der Strecke.
Der Massenstart beim Großmarathon ist nichts im Vergleich zu den Massen, die pro Ejakulation in die Weltgeschichte gelangen. In der glänzend-milchig-trüben Flüssigkeit machen sich bis zu 900 Millionen Spermien gleichzeitig auf den langen Weg durchs Vaginalgewölbe in den Uterus. (Gebärmutter ist ein selten dämliches Wort, finde ich.) Sollten Sie mal auf die Idee kommen, irgendwo frisches Ejakulat zu bestellen, sollten Sie sich nicht über die geringe Menge beschweren: Für einen “Kurzen” reicht es nicht, maximal 6 ml haben wir zu bieten. (Aber wer kommt auch schon auf die Idee, so was zu bestellen.)
Kaum sind die Samen frei, benutzen sie ihren Schwanz, um loszuzotteln. Die Energie dafür ziehen sie aus den Kraftwerken im mittleren Teil hinter dem Kopf. Im flüssigen Zustand, also im Samenplasma, leben die Teilchen bis zu 12 Stunden (das führt mich zu einer ausdrücklichen Warnung vor Techniken wie Coitus interruptus oder Fellatio, wenn man die Gefahr einer Schwangerschaft elegant umgehen möchte!), aber viel Zeit ist nicht zu verschwenden. Nach dem Startschuss beginnt sogleich die Operation “Kastanienblüte sucht Maiglöckchen”.
Vielleicht liegt es am Namen der Operation, dass Schwangerschaften viel seltener sind, als man gemeinhin so denkt: Durch Aromen in der Nahrung sollen sich Geruch und Geschmack des Ejakulats, normalerweise zwischen Kastanienblüten und Moschus angesiedelt, teils erheblich verändern: Man sagt dies Spargel und Pilzgerichten nach, Kaffee und Alkohol auch, Marihuana und Tabak sowieso. Vegetarier-Ejakulat soll süßer sein als das von Fleischfressern. Es fehlt mithin an wissenschaftlichen Beweisen, aber die praktizierenden Feldforscherinnen (und Feldforscher) schwören darauf.
Wie dem auch sei: Es wird ein gnadenloser Wettbewerb losgetreten. Gemessen an seiner Winzigkeit — 0,06mm — legt so ein Spermium eine Strecke zurück, die in unseren Maßstäben 25 Kilometer entspräche. Na, wenn das keine Leidenschaft ist! Nur während des empfänglichen Zeitfensters, wenn auch die Uterusschleimhaut bereit ist, ein befruchtetes Ei aufzunehmen, herrschen auf der Strecke spermienfreundliche Verhältnnisse. Das Hormon Östrogen sorgt neben dem Aufbau der Schleimhaut auch für eine Verflüssigung des ansonsten zähen Schleims am Gebärmutterhals, der Cervix, sowie für ein sprungbereites Ei. Im Eierstock, dem Ovar, kann es nicht befruchtet werden — es muss mutig in den Eileiter springen. (Und manchmal springt es auch daneben.)
Die Spermien, die beweglich und fit genug sind, die Strecke zurückzulegen, orientieren sich nun am Geruch des Eis: Verführische Maiglöckchendüfte! The winner takes it all! Ein Kopf dockt an das Ei an, der Schwanz wird abgeworfen, und im Inneren der Eizelle vereinigen sich die 23 Chromosomen von Papi mit jenen von Mami. Wer zu spät kommt, den bestraft das Nicht-Leben; die übrigen Samenzellen haben keine Chance mehr, die Eizelle macht dicht. Die nun mit vollem Chromosomensatz ausgestattete Zelle furcht und teilt sich munter, und das Abenteuer Leben kann beginnen. (Dafür muss sie sich allerdings in der Uterusschleimhaut festsetzen, die Zellen müssen sich differenzieren… dabei kann dann noch allerhand schieflaufen.) Aber das Siegerspermium hat zumindest die Chance, mit Mamis Ei etwas Großes, Neues entstehen zu lassen.
Der Vorwurf Aktionismus unterstellt betriebsames, unreflektiertes oder zielloses Handeln ohne Konzept, um den Anschein von Untätigkeit oder Überforderung zu vermeiden oder zu vertuschen. Aktionismus kann auch bedeuten, dass viele Projekte diskutiert oder begonnen, aber nicht zu Ende geführt werden. [Quelle]
(Vergleichen Sie zum Thema Aktionismus auch “Lebenslektionen vom “Predator“, Punkt 4: Feuern in den Wald.)

[Das Bild habe ich übrigens bei Achter entwendet. Vielen Dank dafür!]
Es ist zum Mäusemelken. Demnächst darf man vielleicht nichts mehr schreiben. Jedes Foto sollte anwaltlich geprüft werden, bevor es eingestellt wird. Blutsaugende Parasiten mit dem Intellekt eines Toastbrots schreiben knuffige Abmahnungen, und schon ist es vorbei mit dem schönen Allerlei des Internets. Wenn mir jetzt jemand mit dem Argument kommt, Kinderpornographie und rechtsradikale Inhalte seien strafrechtlich relevant: Natürlich sind sie das! Und sie dürfen nicht hingenommen werden. Aber man muss an der richtigen Stelle ansetzen. Aktionismus bedeutet, dass man etwas getan hat, ohne die Sinnhaftigkeit und die Nachhaltigkeit zu überprüfen. Die Gefahr ist da.
Nach Amokläufen wird reflektorisch das Verbot von Gewaltspielen und Gotcha gefordert. Verschärfungen des Wafffenrechts werden diskutiert. Aber die gesellschaftlichen Strukturen, die schulische und Lebenswirklichkeit, die zu solchen Ereignissen führen, bleiben außen vor.
Wenn Piraten vor Somalia ein Schiff nach dem anderen kapern, versucht der Bundesinnenminister, die Kompetenzen der Bundeswehr zu erweitern, und zwar so, dass diese Erweiterungen irgendwann einen Einsatz der Armee im eigenen Land rechtfertigen. Einer der nicht unbedingt geheimen Wünsche des Wolfgang S.
Und gegen Kinderpornographie helfe ein Stoppschild, sagt Ursula v.d.L., die Bundesfamilienministerin. (Klar, als ich jung war, haben uns die Schilder an Baustellen auch ganz konkret davon abgehalten, diese zu betreten. Wir waren NIE auf Baustellen, ich schwör’!) Einigkeit über die Wirksamkeit solcher Maßnahmen sieht anders aus. Es gilt, den Anbietern solcher Inhalte Feuer unterm Arsch zu machen. Nachweislichen Konsumenten natürlich auch. Man muss an die Wurzel des Übels, und da kommt man mit Stoppschildern nicht hin.
Stellen Sie sich vor, Sie suchen etwas über eine Suchmaschine — und landen unbedarft und unbeabsichtigt auf einer Seite mit verbotenen Inhalten. Da wollten Sie nicht hin, und Sie wollen auch möglichst schnell wieder weg, aber Ihre IP wurde in diesem Zusammenhang erfasst und gespeichert. Und schon beginnen die Mühlen zu mahlen…
Welche Hirnrissigkeiten Eskapaden auf uns als Internet-Nutzer zukommen, können Sie hier nachlesen: Rettet das Internet. Und um es hier gleich noch einmal zu sagen: Stünde es in meiner Macht, gäbe es kinderpornographische, rechtsradikale und andere verbotenen Inhalte nicht. Aber bitte, solche Bemühungen dürfen nicht auf dem Rücken aller Netznutzer ausgetragen werden. Sonst sind wir bald alle illegal.
Warum, werden sich einige fragen? WARUM DIES?
Masti aus Bagdeburg mit seinem Bagdeblog… verdammt, was schreibe ich hier eigentlich? ….ein neuer Anlauf, schnell: Basti aus Magdeburg hat einfach ein lesenswertes Blog mit dem formvollendetenNamen Magedeblog, ich lese es heimlich, weil mich die Thematiken oft beschämen, genant wie ich nun mal bin, freue mich aber diebisch über seine durchgeknallte gut gemischte Themenauswahl. Nun ist es an der Zeit, Farbe zu bekennen; die nötige Kraft habe ich durch die Anonymen Madeblogger (AM) bekommen.
Ich bin Jörg, und ich bin anonymer Magdeblogger.
Jetzt ist es raus, ich bin irgendwie erleichtert. Es ist, als hätte jemand Rainer Calmund von meiner Seele genommen.
Aber da Sie jetzt ohnehin alle Bescheid wissen, kann ich auch detailliert berichten. Basti möchte via Beeinflussung der weiblichen Fruchtbarkeit die Staatsverschuldung sinken lassen, hat tolle Vorschläge zur nahezu kostenfreien sensiblen und auditiven Befriedigung, und, ja, sehr schockierend, zeigt Bflanzen, Busen und Balkone (ne, echt jetzt, ein echtes TittenBrustbild!). Ach ja, Hundebilder unter echt richtig kurzen, griffigen Überschriften, Berichte von Attacken auf NPD-Fahrzeuge und wirklich neueste Neuigkeiten aus dem Tierreich sind auch dabei– die Themenflut bei Basti aus Magdeburg nimmt kein Ende. Er hat sogar Leib und Leben riskiert, um im Selbstversuch den besten McFlurry ausfindig zu machen: Das ist investigative Feldforschung at its best.
Zuweilen überfordert er mich ein wenig mit der unorthodoxen Syntax, das gebe ich unumwunden zu, aber das tut dem Lesevergnügen keinen Abbruch. Deshalb ist Mastis Bagdeblog… Blastis Bagdemog… also, deshalb ist der jetzt hier in der Blogrolle.
Eine englische Infografik bei Flickr gibt Auskunft darüber, dass bislang nur uns zugeschriebene Eigenschaften sich auch im Reich der anderen Tiere zeigen.
Humor, Werkzeuggebrauch, Langzeitgedächtnis, komplexe Kommunikation, Emotionen, Kultur, Zählen und Selbsterkennen — wir dachten lange, wir wären die einzigen, die diese Fähigkeiten vorzuweisen haben, müssen uns aber durch Forschungsergebnisse immer wieder eines besseren belehren lassen. Dass wir körperlich unterlegen sind, wissen wir nicht erst seit gestern — nur der Langstreckenlauf ist (noch) eine humanoide Paradedisziplin.
Eine gute, informative Grafik.
Die Australier haben herausgefunden, dass man(n), so man(n) denn groß und… (ach, fett klingt immer so negativ) …stämmig ist, bis zu 1000 australische Dollar per annum mehr verdient als die Fraktion der kleinen, dünnen. Voraussetzung: Sie sind ein Mann. Bevor Sie nun überlegen, ob Sie sich vor einem möglichen Umzug nach Australien einer Geschlechtsumwandlung unterziehen und / oder sich kugelrund futtern, sollten Sie folgendes bedenken:
- Jede OP birgt Risiken, auch wenn das zuweilen von den Operateuren gerne heruntergespielt wird.
- Wenn Sie fett geworden sind, lauern Erkrankungen wie Diabetes mellitus oder Bluthochdruck (Hypertonie) sowie ein erhöhtes Herzinfarktrisiko auf Sie. Als chronisch Kranker gibt es zwar irgendwann eine Zuzahlungsbefreiung, aber bis Sie 1% Ihrer Bruttobezüge erreicht haben, zahlen Sie und schmelzen so Ihre Mehrverdienste ein. (Ganz abgesehen davon, dass ich nicht garantieren kann, dass man in Australien ebenso verfährt wie bei uns; vielleicht bittet man Sie dort noch mehr zur Kasse.)
- Etwaigen Veränderungen an Ihrem Körper sollte ein genauer Abgleich mit den gängigen Größen in Australien erfolgen. In Deutschland sind etwa 43% 180 Zentimeter groß oder größer.
- Möglicherweise hängt der Mehrverdienst mit höheren Kosten für die Lebenshaltung zusammen. Sie brauchen mehr Duschgel, größere Kleidung ist in der Regel teurer, und auch die Kosten für Nahrungsmittel sowie die Therapie von Begleiterkrankungen sind um einiges höher. Könnte also eine Entschädigung sein.
- Und zuletzt: Ein australischer Dollar (AUD) ist umgerechnet 0,50958 EUR wert. Halbieren Sie also ruhig den Wert von 1000 AUD, um Ihren Mehrverdienst in Euro umzurechnen. (Das müssen Sie aber selber tun, mein Taschenrechner ist defekt.)
Die Universität von Florida hat herausgefunden, dass schöne Menschen mehr verdienen. Sie seien selbstbewusster und oft besser ausgebildet. Aber die Intelligenz habe trotzdem nicht ausgedient, wenn es um die Höhe des Einkommens geht.
Gut zu wissen. Schönheit liegt im Auge des Betrachters, aber wer mit sich zufrieden ist, strahlt natürlich wesentlich mehr aus als der Trauerkloß, der sich selbst nicht leiden mag. Fast schon eine Binsenweisheit, aber Wissenschaftler brauchen ja auch ein Betätigungsfeld.
Ach, bevor ich es vergesse: Bevor Sie auch hier über schönheitschirurgische Korrekturen nachdenken: Jede OP hat ein Risiko, sowohl chirurgisch als auch seitens der Anästhesie. Oftmals fällt das Ergebnis nicht so aus, wie Sie sich das gedacht haben, und wenn Sie Geburtstag feiern, haben nur Teile von Ihnen das reelle Alter erreicht. Ich will nicht gegen die plastische Chirurgie Front machen, für Verbrennungsopfer oder Menschen, die einen schlimmen Unfall überlebt haben, ist das oft der Rettungsanker, um sich wieder unter Menschen zu wagen. Für drei Euro fünfundsiebzig mehr in der Stunde jedoch rate ich davon ab — zumal Sie die Erstinvestition kaum wieder reinholen können.
Auf jeden Fall weiß ich jetzt, warum wir so viel Geld in der Geldbörse haben..
Als ich hier hing, wich ich zur Bregenwurst aus. Die “10 Weisheiten, die wir aus Animationsfilmen mitnehmen können“, wurden dort gerne gelesen.
Jetzt, wo’s hier wieder geht, verlinke ich mal dorthin.















