Archiv für Juni 2009

Array

Unterwegs im Auto. Die Sonne schiebt sich hinter einer Wolke hervor. Kurz mal rechts ran, die Kamera mobilisiert, und zwei, drei Aufnahmen machen. Eine davon hatte vor dem inneren Qualitätsfilter Bestand — diese hier. Wieder  so ein Moment, den man mitnehmen muss, wenn er sich bietet. Nee, lass mal, kann ich morgen noch machen — das klappt nicht. Ich liebe dieses Bild. Vielleicht auuch, weil ich nicht lange dran geschraubt habe: Simple RAW-Entwicklung mit kleinen Korrekturen hinsichtlich des Kontrastes und der Sättigung.

Neulich hatten unsere Freunde (die mit der Hochzeit, den Schuhen, die nicht für lange Märsche gemacht sind und der Party) Besuch von einer Freundin. Meine Fotos seien irgendwie richtig gut, gab sie zum Besten. Mag ja sein, aber je länger ich mich mit ihnen beschäftige, je mehr sie betrachtet und bearbeitet werden, umso mehr verlieren sie von ihrem Zauber. Zumindest für mich.

Vermutlich sollte man Bilder machen, in einen optimalen Zustand versetzen (durch Anpassung, Beschnitt, Fehlerkorrektur…), und sie hernach für einige Zeit auf einer Festplatte verschwinden lassen. Grabe ich sie dann nämlich wieder aus, wirken sie frisch und unverbraucht. Oder aber ich stelle sie gleich ein, ohne ihnen allzu viel Aufmerksamkeit geschenkt zu haben — das hat einen ähnlichen Effekt. Alles andere verstellt den Blick.

Die WIRKLICHEN Galerie des Photographen

Wenn Sie ein bekannt geben, bitte zu irgendwelchen 3, indem sie unten die Codes hier verwenden, um jeder zu halten motiviert, nehmen die Kerle schätzen das Stellung, wenn Sie so tun!

[aus den Regeln einer Foto-Gruppe bei Flickr]

Was will der Dichter uns damit sagen?

Jemand hat mal gesagt, dass der wahre Lohn des Fotografen von innen kommt — von der Erkenntnis, gerade etwas ganz Besonderes aufgenommen zu haben. Dieses Gefühl der Befriedigung eines ganz besonderen Schusses. (Nun denken Sie doch bitte nicht schon wieder an so einen *Schweinkram*!)

Besondere Fotos aber brauchen geeignete Gelegenheiten. Gestern gab es eine solche: Wir waren zu einer Party geladen, die am Rande übrigens auch mit Schweinkram zu tun hatte, obgleich auf einem hohen Niveau, aber eben auch mit dem Vergnügen der körperlichen Ertüchtigung durch (*SCHWEINKRAM!*) das Schwingen des Tanzbeines im Takt der Musik. Es war schummrig (*SCHWEINKRAM!*), es war heiß (*S…* Sie wissen schon!), und es gab richtig gut abgemischte Musik. Die Illumination nebst Kunstnebel machte wirklich etwas her, und es ergaben sich eine Reihe von guten Fotogelegenheiten.

Und dann dieses Bild:

Array

Kleine Stativplatte, Kugelkopf drauf, Zeitvorwahl 1/8 Sekunden, und die ISO schrittweise hochgefahren auf 1600. Ein paar Fotos, allesamt nicht schlecht, bis sich diese Gelegenheit ergab. Ich betätigte den Auslöser, nachdem ich mir einige Zeit die Lichtrotation angesehen hatte, genau in dem Moment, den ich für absolut passend hielt. Bumm bumm, eine leichte Frequenzbeschleunigung (die nichts mit *Schweinkram* zu tun hatte), dann gab ich die Kamera der Gastgeberin, um das Bild anzusehen. (Keine Ahnung, warum ich es nicht selbst angesehen habe, vielleicht hatte ich die Befürchtung, es sei nicht so geworden, wie ich erhofft hatte. Aber nein, ich glaube nicht, dass das der Grund war, ich spürte, dass mir ein besonderer Schuss gelungen war.)

Sie besah sich das Bild auf dem Monitor, schweigend, dann ein leises “Sehr geil!”, eher gehaucht als gesprochen. Dann blickte ich auf den Monitor — es war perfekt!

Aus dem RAW-Bild entwickelte ich neben der Farbversion auch eine monochrome, die so daherkommt:

Array

Beide haben ihre Daseinsberechtigung, beide sind bei Flickr gelandet. Und natürlich freue ich mich über Awards und Gruppeneinladungen und Favoriten-Auswahl, aber die wahre Befriedigung ist eine intrinsische. Eine unglaubliche obendrein.

Array

Ja, ich weiß, dass man Kran ohne H schreibt. Damals, in den 1870er Jahren, schrieb man es abeer noch so, vielleicht in Anlehnung an den Kran, der den Kahn entleert… Ein Krahn eben.

Array

Ich bin in einer Dunkelkammer großgeworden. Zumindest fotografisch.

Der alte Herr ließ eine Canon A-1 springen (da fällt mir immer auf, was für ein alter Sack ich doch selbst inzwischen bin: Die A-1 fiel mir um 1980 in die Hände!). In der Schule hatte ich einen Kunstlehrer, der unglaublich gut die Grundzüge und Kunstgriffe der Fotografie vermitteln konnte. Mit ihm hockten wir im Fotolabor, wickelten Ilford FP-4- und Agfa Pan 400-Film von einer großen Rolle ab und bestückten die Fotodosen selbst. Belichtete Filme gingen nicht ins Labor: Entwickler ansetzen, die Entwicklungszeit abwarten und immer  im vorgegeben Rhythmus kippen, dann Fixierer rein, schließlich trocknen — das volle Dunkelkammer-Programm, einschließlich der Abzüge auf unterschiedlich Papier mit unterschiedlichen Gradationen.

Die Liebe zur Schwarz-Weiß-Fotografie hat sich bis heute gehalten. Seit einiger Zeit fotografiere ich auch digital in Monochrom. Dank des RAW-Modus kann ich die Farbversion immer noch abrufen, wenn mir danach ist.

Array

Warum ich SW so mag? Nun, diese Bilder lenken den Blick auf das Wesentliche, auf grafische Elemente, auf Kontraste. Der Inhalt dominiert, nicht ein Zuviel an Farben. Die Welt in Monochrom ist jedoch nicht einfach nur eine entfärbte — sie eröffnet ungeahnte Möglichkeiten, auch für Bilder, die ansonsten nicht berücksichtigt werden würden, weil sie zu bunt wären oder bei schlechtem Licht aufgenommen wurden. Farblich störende Elemente fallen nicht ins Gewicht. Monochrome Aufnahmen sind eine Reduktion auf die Aussage, auf Linien, geometrische Formen und Strukturen.

Manchmal können Tönungen wie Sepia einem Bild gut tun. Lassen Sie sich ruhig mal auf das Experiment ein! Ein wirklich gutes Bild wirkt auch in Black and White!

Hier mal eine Aufnahme, die an der B5 bei Lauenburg/Elbe entstanden ist. Die rein monochrome Variante

Array

sowie die sepiagetönte:

Array

Flickr Tag Error: Call to display photo '3600872277' failed.

Error state follows:

  • stat: fail
  • code: 1
  • message: Photo "3600872277" not found (invalid ID)

Ich musste gestern arbeiten. Ambulante Pflege. Neben 18 anderen Patientinnen und Patienten versorgte ich eine alte Dame, die in der glücklichen Lage ist, noch einen Partner an ihrer Seite zu haben. Während ich hier wusch, dort Salbe  applizierte und in die Augen tropfte, fragte sie mich, ob ich was von der Europawahl gehört hätte. Mein Mobiltelefon hat ein Radio, auf NDR Info lief eine Sondersendung, also hatte ich etwas gehört und berichtete.

Als wir fertig waren und ich dokumentierte, sagte ihr Mann, er habe schon seit langer Zeit kein Interesse mahr an Politk. “Kann passieren”, dachte ich und widmete mich wieder meinen Eintragungen. “Seit 1945″, fügte er hinzu.

Und plötzlich hatte er all meine Aufmerksamkeit. Flakhelfer sei er gewesen, überzeugt und begeistert von der Idee des Systems. In mir regte sich etwas, das Bild vom Ewiggestrigen kristallisierte sich vor meinem inneren Auge.

“Dann kam das Ende, eine Idee brach zusammen, wir waren all unserer Ideale beraubt.”

Und seitdem interessiere er sich eben nicht mehr für Politik. *BAFF ERSTAUNT*

Ich habe ältere Herr- und Damschaften kennengelernt, die der Meinung waren, nicht alles in Nazi-Deutschland sei schlecht gewesen. Ebenso welche, die befanden, das System sei in Ordnung gewesen. Aber alle hatten irgendwie einen Weg gefunden, sich mit der Demokratie, die inzwischen ja schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel hat, zu arrangieren. Aber so ein Fall von nostalgischer Verklärung, von Glauben an und Begeisterung für den Nationalsozialismus, noch dazu so offen geäußert, ist mir persönlich bislang noch nicht untergekommen.

Ich hakte rasch die letzten offenen Felder ab, schützte mit einem Blick auf die Uhr extreme Zeitnot vor und empfahl mich. Draußen holte ich tief Luft. Ich weiß nicht, wie es Ihnen gehen würde, aber mir ist der Gedanke, demnächst dort wieder arbeiten zu müssen, wenig angenehm. Und jener, dass diese Problematik mit dem Wegsterben dieser Generation nicht gelöst ist, noch viel weniger.

mein Flickr

By Erik Rasmussen
Translator
German flagItalian flagPortuguese flagEnglish flagFrench flagSpanish flagDutch flagDanish flagFinnish flag
Polish flagSwedish flagNorwegian flagGalician flag     
By N2H