10 Dinge, die ich bei Flickr gelernt habe

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Veröffentlicht in: andere Mätzchen

Ich bin nicht erst seit gestern bei flickr. Aber erst in den letzten drei, vier Wochen hat das so richtig Fahrt aufgenommen dort. Ich hatte nicht viel Zeit, Uni, Familie und Schule fordern ihren Tribut. Aber abends, zur Entspannung, habe ich mir Fotos angesehen und meine neuesten und einige ältere eingestellt. Dabei ist mir einiges aufgefallen:

1. Die Werke anderer können unglaublich inspirierend sein!

Klar, man könnte flickr als eine Art Showroom für die eigenen Bilder ansehen. (Und das ist wohl auch so.) Aber das ist nur die halbe Miete. Viele Gruppen stellen Regeln auf, die für jedes eingestellte Bild eine gewisse Anzahl an Kommentaren oder Award-Vergaben einfordern. Man muss sich quasi per Dekret mit den Bildern anderer auseinandersetzen.

Dabei ist mir aufgefallen, wie viele wirklich gute Bilder es gibt. Diese öffnen den Blick für Neues. Frischer Wind, gute Ideen, Inspiration. “Das hätte ich auch gerne gemacht,” denke ich mir dann oft. Ungewöhnliche Blickwinkel, neue Perspektiven. Ideen, die es umzusetzen gilt. Nicht kopieren (Stil kann man nicht kopieren), sondern durch andere angeregt neue Ufer betreten.

2. Regeln sind wichtig!

Eine Gemeinschaft kommt nicht ohne Regeln aus. Zunächst klingt das oft sehr hart: Wer nicht die vorgegebene Anzahl an Bildern kommentiert, wird verwarnt. Wer dann nicht reagiert, fliegt raus. Wer Moderatoren blockiert, kann seinen virtuellen Krempel packen und sich eine andere Spielwiese suchen.

Aber aus schlechten Erfahrungen wird man klug. “Post and run” greift um sich, die “Ich nehm’s mir und bin dann mal weg”-Mentalität auch. Durch die Überwachung der Regeln wird das vermieden. Es gibt gar Gruppen, welche die Namen von verbannten, ausgeschlossenen “Schmuddelkindern” veröffentlichen. Jeder, der nur an  seinem eigenen Vorteil interessiert ist, fliegt raus. Im normalen Leben abseits der virtuellen Welt ist das nicht anders, aber es fällt immer wieder auf, wie viele Regelüberschreitungen es so gibt. Disziplin ist der Beginn von Freiheit.

Manche Regeln allerdings versteht auch der geneigteste User nicht.

3. Sei gut, dann sind es auch andere!

Wir kennen in der deutschen Sprache einige Phrasen, die in diese Richtung gehen:

  • Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus.
  • Wie du mir, so ich dir.
  • Handle stets so, wie du selbst behandelt werden möchtest.
  • Eine Hand wäscht die andere.

Das gilt auch für Gemeinschaften wie flickr. Mit der “Geben ist seliger denn nehmen”-Nummer will ich hier nicht anfangen, aber vieles im Leben beruht auf Gegenseitgkeit. Dabei ist es allerdings wichtig, ehrlich und authentisch zu bleiben. Ich kann nicht etwas über den grünen Klee loben, wozu ich nicht stehen kann und was mir überhaupt nicht zusagt.

Ich habe mir angewöhnt, die ersten zwei, drei Seiten einer Gruppe, in der ich ein neues Bild einstelle, zu überfliegen, mir die interessantesten Aufnahmen im Hintergund in neuen Tabs zu öffnen und sie dann zu überfliegen. Ich vergebe dann Gruppen-Awards, schreibe manchmal etwas dazu und favorisiere die besten Werke.

4. Strategie ist alles: Der Zeitpunkt.

Wie spät ist es in New York, wenn es hier 20 Uhr ist? Wie spät in L.A.? Flickr ist eine amerikanische Plattform, und die meisten Resonanzen kommen auch von dort.  Also immer so die Bilder platzieren, dass sie an diesem wichtigen Klientel nicht vorüber gehen. So kommen auch nachts, während ich (und die meisten Europäer) ein Nickerchen machen und sich in der REM-Phase befinden, reichlich Kommentare. Zu spät sollte es aber auch nicht sein, will man die europäischen Mit-Flickrer im Boot haben. Nachts um 1 oder morgens um 8 sind also eher schlechte Zeitpunkte — optimal ist das Zeitfenster zwischen 16 und 21 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Da sind Amerikaner schon auf, die Europäer noch wach.

5. Strategie ist alles, die 2.: Die Wahl der Gruppen

Kleine und unbekannte Gruppen haben den Vorteil, dass nicht so viele Bilder in rascher Abfolge hinzu kommen — die Bilder bleiben länger auf den ersten Seiten. Die meisten diggen nicht so deep in die Peripherie hinein. Große, bekannte Gruppen hingegen haben eine enorme Reichweite — da hagelt es schnell viel Resonanz, vorausgesetzt, die Bilder haben die entsprechende Qualität. Spezialisierte Nischengruppen, beispielsweise für Altes, Forstwege, Frauenschuhe und 50mm-Objektiv-Nutzer, sollten immer mit im Portfolio sein. Dort wird erfahrungsgemäß tiefer gegraben, weil Neigungen und Fetischverehrung entsprechend vorhanden sind.

Einige Gruppen gelten als High quality-Garanten und finden entsprechend Anklang — welche das sind, kann man gut an den Gruppen der Bilder, die besonders gut ankommen, ablesen. Im Zweifelsfall einfach mal die Bilder-Pools, die man nicht kennt, über die man aber immer wieder stolpert, aufrufen und darin stöbern. Da findet jeder schnell die richtige Mischung.

“Invite only”-Gruppen sind meist sehr gut — Einladungen sollte man daher nicht sträflich ignorieren. Außerdem können im Zuge dessen wunderbare Entdeckungen gemacht werden.

6. Size doesn’t matter!

Sowohl bei den Gruppen als auch beim eigenen Portfolio gilt: Größe ist nicht alles! Nicht die Quantität, sondern die Qualität ist von entscheidender Bedeutung. Lieber weniger Bilder hochladen, dafür aber vorab die interne Qualitätskontrolle bemühen und wirklich gutes Material einstellen. Was nützt es, wenn man einen Fotostream, wie es so schön bei Flickr heißt, von 827 Fotos hat, die keiner sehen will, die nicht kommentiert werden und die niemand lieb hat? Nix. Allerdings:

7. Size matters!

278 Kommentare, viele  Awards und reichlich Personen, die ein Bild als Favoriten bezeichnen, sind das Salz in der Suppe eines jeden Fotografen. Reicht dann noch die Anzahl der Auszeichnungen aus, um sich für die nächsthöhere Gruppe zu qualifizieren (wo die Qualität des Gruppenbeckens deutlich besser wird, weil sich die Spreu vom Weizen trennt), so ist das keineswegs schadhaft. Im Gegenteil: Jeder Special Award lässt das Ego anschwellen. (Wer etwas anderes behauptet, der lügt sich was in die Tasche!)

8. Erfolg ist planbar!

Angenommen, eine Aufnahme hat eine Qualität, welche die innere Güteprüfung besteht, welche möglicherweise auch die Familie und die Freunde zu beglücktem Jauchzen hinreißt, dann ist es Zeit, das Bild bei Flickr zu präsentieren. Auch hier gilt: Wenn man selbst nichts für das Foto empfindet, wird man auch  niemanden sonst dazu bewegen können. Beherzigt man nun die Strategien, platziert die Bilder geschickt, verhält sich regelkonform, um nicht von der Gruppe ausgeschlossen zu werden und ist großzügig zu anderen (Stichwort: GOOD KARMA!), steht einem Erfolg der Bilder fast nichts mehr im Weg.

Ich selbst habe Bilder bei Flickr, die schon seit vier, fünf Monaten ohne nennenswerte Reaktionen vor sich hin dümpelten. Aber erst, seit sie zielgerichtet präsentiert werden, tut sich da was.

Das krasseste Beispiel: Die “RudelBildung”, inzwischen bei über 250 Kommentaren und mehr als 60 Favoriten angelangt, lungerte bis vor zwei Wochen mit 4 (vier) Kommentaren und 1 (in Worten: einem) Favoriten in der Flickr-Landschaft herum. Die wenigen Gruppen, zu denen das Bild gehörte, waren klein, unbekannt und wenig kommentarfreudig. Und nun diese enormen Zuwachsraten. Hätte man ja auch gleich so machen können.

9. Erfolg ist nicht planbar!

Da gibt es Bilder, die gehen bei fast allen Gruppen, zu denen sie gehören, wie geschnitten Brot. Und plötzlich haut das nicht mehr hin. Bilder, die ich selbst als weniger hervorstechend erachte, haben in bestimmten Gruppen die höchsten Weihen erfahren, aber die Top-Bilder laufen dort nicht gut. Warum? Die Antwort kennt wohl nur der Fotografie-Gott persönlich. Falscher Zeitpunkt? Alle Gruppenmitglieder sind plötzlich an Schweinegrippe erkrankt? Totalausfall des Netzes? Ich weiß es nicht. Wirklich nicht. Irgendetwas macht da jäh und unerwartet einen Strich durch die wohlfeile Planung.

10. Präsentiere deine besten Bilder im besten Lichte!

Knipsen und ab dafür geht garnicht! Wohlüberlegte Schüsse oder spontane Geniestreiche gehören bei Flickr eingestellt. Profis machen gerne mal einen passenden Rahmen um das Bild, vorzugsweise schwarz, und versehen ihr Werk mit einem Schriftzug, der natürlich keineswegs ablenken oder gar stören darf. Als “Pro” bei Flickr hat man entscheidende Vorteile: Man ist bei der Wahl der Gruppen nicht an ein Maximum von 10 gebunden und darf bereits eingestellte Bilder ersetzen. Ich hatte anfänglich nur bei wenigen Bildern Rahmen, und der Schriftzug war nicht so, wie ich mir das vorstellte. (Ein User schrieb dazu in einem Kommentar: “Sehr atmosphärische Aufnahme! Nur der Text im Rahmen stört etwas.”) Kritik ist, so denn konstruktiv geäußert, der Ansporn, sich zu verbessern. Jetzt habe ich meine Konzeption überdacht, einen schlichten, aber meines Erachtens angemessenen Weg der Fotopräsentation gefunden — einem Flickr-Gesamterlebnis steht nun nichts mehr im Weg.

Ich werde in den nächsten Tagen mal das Exempel an einem Bild statuieren: “Breaking Through” geht ins Rennen mit 6 Kommentaren und einem Favoriten. Ich werde die Entwicklung aufzeigen — und dabei auch Tief- und Rückschläge nicht ausklammern.
Breaking through.
Man darf gespannt sein.

P.S.: Sollten hier im Blog einige der “FotoHappen” nicht sichtbar sein, so habe ich bestimmt die Bilder bei Flickr ersetzt. Nach und nach werde ich mich des Problems annehmen.

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