Artikel-Schlagworte: „Hirnfraß“
Früher, so zumindest theoretisch gedacht, war alles besser. Keine Volksverdummungs- Privatsender, keine dumpfen Computerspiele, keine Handys. Da haben Bauern keine Frauen im Fernsehen gesucht, sondern auf dem Dorfball, Kinder haben nicht “Teenage Mutant Hero Turtles” (auf deutsch: “Jugendliche mutierte Heldenschildkröten” — bei dem Titel würde garantiert niemand zusehen!) geguckt oder “Barbie auf dem Reiterhof” gespielt, sondern waren draußen, spielten Cowboys oder Indianer und sind auf echten Pferden durch echte Landschaften geritten. Angebliche Stars mussten nicht aus irgendwelchen Dschungelcamps evakuiert werden, die sie freiwillig, vermutlich für einige Geldscheine im Tausch, betreten haben. Und in Juristen-Soaps musste niemand vor der Kamera gestehen, dass er den Schwager seines Onkels beschlafen hat, weil man dringend Geld bauchte, nur um diesem daraufhin die Kehle durchzuschneiden, weil er nicht zahlen, wohl aber mit dem Beischlaf erpressen wollte.
iPhones gab es nicht, ergo auch keine iPhone-Applikationen wie diese. “Baby Shaker” heißt sie, und es geht darum, das virtuelle schreiende Baby zur Ruhe zu bringen, indem das iPhone wild geschüttelt wird, bis das Geschrei verstummt und das Kinderbild rote Kreuze über den Augen zeigt. Eine Firma namens Sikalosoft hat die Anwendung geschrieben. Zwar erscheint ante finem ein Hinweis (“Never, never shake a baby.”), aber überhaupt auf die Idee zu kommen, so etwas auf den Markt zu bringen, ist schon bescheuert genug.
“See how long you can endure his or her adorable cries before you just have to find a way to quiet the baby down!” Eine Aufgabe, die nicht nur das National Center on Shaken Baby Syndrome extrem unlustig findet — und entsprechend eine Entschuldigung von Steve Jobs fordert. Diese Applikation musste nicht auf irgendeinem illegalen .to-Server gesucht und heruntergeladen werden, sondern stand für 99 Cent im Apple Store zum Download zur Verfügung. Ist Apple nicht sonst eher für Qualität bekannt?
Wie gesättigt, wie übervoll sind wir eigentlich, dass so eine Applikation 1. überhaupt entsteht, 2. verkauft und 3. gekauft und verwendet wird? Allgemeiner Hirnfraß und die viel beschriebene Volksverdummung mögen dazu beitragen. Als ernsthaftes Trainigsprogramm für Eltern oder solche, die es werden wollen, kann es ja wohl nicht gedacht sein…
Herrschaftszeiten…















