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Manchmal hat man als Dozent auch was zu schmunzeln.

Bestimmt haben Sie schon mal von Diabetes mellitus gehört, dem “honigsüßen Durchfluss”*, umgangssprachlich auch als Zuckerkrankheit bezeichnet. In einer Klausur stellte ich die Frage, welche Arten des Diabetes es gibt, wie man sie bezeichnet (und warum manche Namen nicht mehr verwendet werden), wie sie entstehen und welche Therapieprinzipien mit welchen Zielen zur Anwendung kommen.

In den Antworten tauchte der Begriff “juveniler Diabetes” auf. So bezeichnete man früher den Typ 1-Diabetes, der durch absoluten Insulinmangel nach autoimmun bedingter B-Zell-Zerstörung im Pankreas gekennzeichnet ist.

“Juvenil” meint jugendlich, Diabetes Typ 1 ist mit einer Erkrankung pro 1000 Kindern die häufigste Stoffwechselerkrankung bei jungen Manschen. Der Begriff “juvenil” wird in diesem Zusammenhang nicht mehr verwendet, weil auch der Typ 2-Diabetes, der früher vornehmlich ältere Menschen betroffen hat, immer häufiger auch bei Jugendlichen auftritt. Übergewicht, Bewegungsmangel und falsche Ernährungsgewohnheiten sorgen dafür, dass es zu einer Insulinresistenz und zu Insulinsekretionsstörungen kommt.

Ich hatte allerdings nicht mit einer so ausgeprägten Diversität in der Schreibweise des Wortes “juveniler” gerechnet. Das Highlight war:

juneviler Diabetes

Meine Frau, ebenfalls examinierte Gesundheits- und Krankenpflegerin (früher nannte man die einfach Krankenschwester), berät mich zuweilen, wenn es darum geht, ob ich im Zweifelsfall die volle Punktzahl vergeben soll oder nicht. Sie arbeitet im OP, durchläuft gerade die Fachweiterbildung “OP-Pflege”, und arbeitet meist in der Leberchirurgie. Da kann man schon mal betriebsblind werden, zumal die Schrift der Schülerinnen und Schüler nicht immer alle Kriterien der Lesbarkeit erfüllt.

Sie überflog die Passage in der Klausur und las

juneliver

Klar, es gibt Weihnachtsessen, Sommerkleidung und Herbstferien. Aber dass die Leber (im angelsachsischen Sprachraum “liver”) einem zeitlichen Wandel unterworfen ist, war mir neu. Aber es scheint so zu sein: Es gibt eine Junileber. Wie sie sich von der Augustvariante unterscheidet und ob die Novemberleber grundsätzlich anders aufgebaut ist, sollte in zukünftigen Studien überpüft werden.

Und als ich mir die Buchstaben, die im Wort “juveniler” vorkommen, genauer besah, formte sich vor meinen inneren Auge eine weitere Schreibvariante:

junilever

Eines der Produkte, die zum Imperium eines Unternehmens gehören, welches international so ausgesprochen wird, wie es oben geschrieben steht, hatten Sie im Laufe Ihres Lebens mindestens schon mal in der Hand. Wobei die Schreibweise mit einem J am Wortanfang natürlich nicht korrekt ist.

Aber es ist schon bemerkenswert, was sich aus dem Wort “juveniler” alles machen lässt.

* Für den Fall, dass Sie wissen möchten, warum man der Erkrankung diesen Namen verpasst hat, sollten Sie es den alten Medizinern gleichtun und mal einen Finger in den Harnstrahl eines Diabetikers halten und dann — daran lecken. Unsere Nieren gehen normalerweise mit Glukose sehr sparsam um, weil wir sie, zusammen mit Sauerstoff, in jeder Zelle für die Energiegewinnung benötigen. Die Nieren holen sich bei der Produktion von Urin alles wieder zurück, was noch benötigt wird. Da das Hormon Insulin Glukose den Übertritt vom Blut in die Zellen ermöglicht, fällt der bei Insulinmangel oder Insulinresistenz aus, und im Blut ist zu viel Zucker. Die Nieren bemerken, dass der Schwellenwert überschritten ist, und scheiden den Zuckerüberschuss über den Harn aus. Zucker im Kaffee macht Kaffee süß, Zucker im Urin macht entsprechend Pipi süß.

“Schmerz tut nicht immer richtig weh.”

[Hamburger SV-Fußballlehrer Martin Jol über das lädierte Schienbein des kroatischen Nationalspielers Mladen Petric, welches im Pokalspiel gegen den SV Werder Bremen vom Defensivmann Naldo mit einem Stollen aufgeschlitzt wurde.]

Schmerz tut also nicht immer richtig weh. Eine interessante Aussage, auch hinsichtlich der Therapie von Schmerzpatienten. Ein neuer Ansatz?
“Nun stellen Sie sich mal nicht so an, Schmerz tut nicht immer richtig weh.” Bisher galt: Schmerz ist, wenn der Betroffene es sagt. Der Niederländer aber geht neue Wege in der psychologischen Betreuung. Meine Eltern haben das früher auch schon gemacht, wenn auch mit anderen Worten: “Eiin Indianer kennt keinen Schmerz.” Abgesehen davon, dass Indianer heute poltisch korrekt als Natives bezeichnet werden: Ich habe in meiner Schulzeit in den USA einige kennengelernt. Schmerz ist dort ebenso bekannt wie in allen anderen Kulturen — ansonsten hätte ein Marterpfahl auch keinen Sinn gehabt, damals, als er noch zum Einsatz kam und nicht nur folkloritisches Beiwerk war.

“Fallen Sie langsam, haben Sie Meerjungfrau.”

[Eine meiner Schülerinnen zu einer Kursleidensgenossin, die sich an ihrem Stuhl verheddert hatte.]

Geplant war natürlich ein anderer Ausspruch, aber nach eigenem Bekunden hatte sie heute einen Knoten in der Zunge und dies zuvor auch schon mehrfach in ungewohnter Konsequenz unter Beweis gestellt; dieser Versprecher war dann die Krönung.

“Tiefe Wasser sind still.”

[Eine meiner Schülerinnen in der Berufsschule über eine sehr stille, zurückgezogene Mitschülerin. Der Versprecher des Tages.]

“Ach, Merkel, die alte Stasischlampe, die kann mich mal.”

[Ein Mann in ausgebuffter grauer Jogginghose, einem T-Shirt mit völlig sinnfreiem englischen Aufdruck, weißen Tennissocken mit blauem und rotem Streifen und -- ich gestehe, es klingt so sehr nach Vorurteil, dass es zum Himmel schreit, aber es war so -- Badeschlappen zu einem Verkäufer auf dem Flohmarkt in Gartow, Wendland.]

Hoppla! Harter Tobak, oder?

Dieser Satz muss dingend in einen Zusammenhang gebettet werden, um ihn gebührend würdigen zu können.

Der Stand, an welchem dieses Zitat aufgeschnappt wurde, bot diverse Computerspiele feil. Jener Mann, der das Zitat über Merkel fallen ließ, wollte ein wohl in absehbarer Zeit indiziertes PC-Spiel erwerben, das der Verkäufer auch prompt aus einer Kiste zauberte. Es entstand ein Wortwechsel, in dessen Verlauf sich beide Seiten  gegenseitig hochschaukelten. Grundsätzlich war man sich aber einig: Die Regierung dürfe keine Spiele verbieten, auch nicht die Gewalt verherrlichenden, die in einen Zusammenhang mit Amokläufen gebracht werden. Irgendwann fiel dann der Satz.

Volkes wahre Seele auf dem Flohmarkt. Stammtischparolen am Spielestand. Zu allem Überfluss bediente der Mann auch noch alle Vorurteile — sprachlich, optisch und olfaktorisch. The real Dittsche!

“Du willst eine erfolgreiche Zukunft? Wenn ein tätowierter Kerl an deinem Drive-in-Schalter vorfährt, gib ihm seinen Burger, nicht deine Telefonnummer.”

[Kindersitterin Zee gibt dem Mädchen Jenny an der Tür einen Ratschlag fürs Leben. Aus dem Motion-Capture-Animationsfilm "Monster House", USA 2006]

“The more you know who you are, and what you want, the less you let things upset you.”
(“Je besser Du Dich und Deine Bedürfnisse kennst, desto weniger können die Dinge Dir anhaben.”)

[Bill Murray als Bob Harris in "Öost In Translation"]

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