Archiv für die Kategorie „Natur“
Unterwegs im Auto. Die Sonne schiebt sich hinter einer Wolke hervor. Kurz mal rechts ran, die Kamera mobilisiert, und zwei, drei Aufnahmen machen. Eine davon hatte vor dem inneren Qualitätsfilter Bestand — diese hier. Wieder so ein Moment, den man mitnehmen muss, wenn er sich bietet. Nee, lass mal, kann ich morgen noch machen — das klappt nicht. Ich liebe dieses Bild. Vielleicht auuch, weil ich nicht lange dran geschraubt habe: Simple RAW-Entwicklung mit kleinen Korrekturen hinsichtlich des Kontrastes und der Sättigung.
Neulich hatten unsere Freunde (die mit der Hochzeit, den Schuhen, die nicht für lange Märsche gemacht sind und der Party) Besuch von einer Freundin. Meine Fotos seien irgendwie richtig gut, gab sie zum Besten. Mag ja sein, aber je länger ich mich mit ihnen beschäftige, je mehr sie betrachtet und bearbeitet werden, umso mehr verlieren sie von ihrem Zauber. Zumindest für mich.
Vermutlich sollte man Bilder machen, in einen optimalen Zustand versetzen (durch Anpassung, Beschnitt, Fehlerkorrektur…), und sie hernach für einige Zeit auf einer Festplatte verschwinden lassen. Grabe ich sie dann nämlich wieder aus, wirken sie frisch und unverbraucht. Oder aber ich stelle sie gleich ein, ohne ihnen allzu viel Aufmerksamkeit geschenkt zu haben — das hat einen ähnlichen Effekt. Alles andere verstellt den Blick.
Eine englische Infografik bei Flickr gibt Auskunft darüber, dass bislang nur uns zugeschriebene Eigenschaften sich auch im Reich der anderen Tiere zeigen.
Humor, Werkzeuggebrauch, Langzeitgedächtnis, komplexe Kommunikation, Emotionen, Kultur, Zählen und Selbsterkennen — wir dachten lange, wir wären die einzigen, die diese Fähigkeiten vorzuweisen haben, müssen uns aber durch Forschungsergebnisse immer wieder eines besseren belehren lassen. Dass wir körperlich unterlegen sind, wissen wir nicht erst seit gestern — nur der Langstreckenlauf ist (noch) eine humanoide Paradedisziplin.
Eine gute, informative Grafik.
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Tauben unter der Straßenbrücke B 404 bei Geesthacht. 150mm, 1/160 Sek., f4.5, ISO 400, Aufhellblitz.
Irgendwie erinnerte mich die kleine Taubenbande an eine Straßengang. Die drei Vögel saßen lange dort auf dem Pfeiler unter der Brücke, über ihnen donnerten die Fahrzeuge, vor ihnen die Elbe, und taxierten ihr Viertel. Ab und an landete mal eine weitere Taube und lieferte irgendwas ab, was die stämmige in der Mitte sofort näher in Augenschein nahm. Schutzgelderpressung? Tilgung alter Wettschulden?
“Macht ‘n Abflug, wir sind hier die Residents”, drückten die drei Gestalten mit jeder Feder ihrer Körper aus. Rhythmisches Gurren und Kopfnicken — fehlte lediglich der passende Gangsta-Rap.
Gestern war’s, um die Mittagszeit. Es knackte vielsagend aus der Entenecke des Balkons. Eizähnchen bahnten sich ihren Weg durch die kalkhaltige Hülle. Und eh man sich so versieht, hocken 12 (in Worten: zwölf) putzmuntere Entenküken unter, neben und vor der Mutter. Hier eine kleine Fotostrecke:
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Heute, in aller Frühe, dann die Nestflucht. Einige Küken haben es bis oben auf die Mauer geschafft, einige sind abgerutscht und auf dem Balkon gelandet. Es sind etwa vier Meter Fallhöhe bis zum Fleet, aber als Mama losgeflogen ist, wollten jene, die das Hindernis erklimmen konnten, in Todesverachtung hinterher. Die Transportbox stand aber schon bereit, die Küken wurden eingesammelt und der aufgeregt schnatternden Mutter ans Wasser gebracht. Kurze Bestandskontrolle, alle Zwölfe konnten “out of the box” zur Frau Mama huschen — und schwammen mit ihr davon.
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Das Drama des letzten Jahres bleibt uns erspart. Drei Kreuze.
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150mm, 1/400 Sek., f6.3, ISO 200. Möwe am Hamburger Hafen.
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Australisches Gänseblümchen (Brachyscome iberidifolia), auch Blaues Gänseblümchen genannt. Gehört zur Gattung der Korbblütler (Asteraceae).
Monochrome Bearbeitung nach Freistellung der Blüte.
45mm, 1/125 Sek., f6.3, ISO 100.
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So sieht es jetzt überall auf unseren Balkonen aus. Nee, watt isset schön! Meine Familie liebt Blumen, ganz klar. Gartenmärkte stehen im Moment hoch im Kurs. Pflanzerde mit hohem Guano-Anteil, diverse Jungpflanzen, Aussaat — die Einkaufsliste ist lang, der Fahrradhänger regelmäßig zum Bersten gefüllt.
Mein Ältester, inzwischen lesekompatibel (Sie wissen schon: Zunge zwischen die Zähne geklemmt, Finger aufs Plastik, “G-U-A-N-O… Guano!”), frug mich mitten im Markt, was denn Guano sei.
Es lag mir auf der Zunge, ihm zu antworten: “Guano, ja also, das ist ein feinkörniges Gemenge verschiedener Calciumphosphate, wie Brushit (CaHPO4 · 2 H2O), Monetit (CaHPO4), Whitlockit (Ca9(Mg,Fe)[HPO4/(PO4)6]) sowie verschiedener Apatite und Nitrate und organischer Verbindungen.”
Aber nix da, stattdessen sagte ich: “Vogelkacke, die auf Kalkstein gelandet ist.” Große Augen, dann (vielleicht ein, zwei Ideechen zu laut): “Vogelkacke?”
Ich nickte kurz, er als angehender Biologe wollte es aber genauer wissen — Pinguine, Kormorane, alles klar.
“Die aber nicht, oder?”, fragte er zuhause, auf unseren Brutgast deutend. Nein, die nicht, alleine schon, weil der Gast zwar flüssige Exkremente absondert, es aber in der Gegend an Kalkstein mangelt.
Jetzt mal so unter uns: Das mit den Planten und Blomen kann jeder. Vorausgesetzt, der Daumen ist eher grün als schwarz, aber dann klappt das schon. Unseren Brutgast jedoch können Sie bestimmt nicht toppen.
Vor zwei Jahren bemühte sich eine Ente, sich unseres Blumenkastens zu bemächtigen. Sie legte zwar Eier, aber kam nicht wieder, um ihr Brutgeschäft zu erledigen. Dabei waren wir so rücksichtsvoll, wie eine Familie mit zwei Jungs eben sein kann. Im letzten Jahr kehrte sie zurück, legte wieder Eier und brütete bis zum Optimalpunkt. Die Familie durfte sogar zusehen, wie sich die Küken mit ihren Eizähnen einen Weg durch die Schale ins Leben bahnten. Die Küken nebst Mama wurden zum Fleet gebracht, als sie sich anschickte, die Kleinen vom Balkon zu schubsen. Bei der anschließenden Inspektion des “Brutkastens”, der nach Bauart und Bestimmung ja doch eher ein Blumenkübel ist, entdeckte meine Frau zwei Eier, die nicht im Haufen der Schalen, sondern etwas an den Rand gedrängt lagen. Weil sie aber noch warm waren, bebrütete die Ersatzmutter die Eier weiter. Ein Dekolleté ist nicht nur für die Optik gut, sondern auch als Nest. Aus beiden Eiern schlüpften tatsächlich Küken. Eines war sehr schmächtig und klein, eines hatte einen nach hinten geknickten Kopf. Das schmächtigere wurde Pipsie genannt, eine Entscheidung der Jungs, der Knickhals erhielt den Namen Sternengucker.
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Pipsie starb knapp drei Wochen später, hatte kaum an Gewicht zugelegt und selbst die Handfütterung mit aufgelöstem Kükenkorn in einer Spritze weitgehend verweigert. Sternengucker ist immerhin sechs Wochen alt geworden, hat sein Kükenkorn später sogar selbst gefressen. Die Schwäche des Halses hatte sich zunächst nach hochdosierten Vitamin K-/B-Injektionen gegeben, trat aber wieder auf.
Manche Dinge sind wesentlich leichter zu ertragen, wenn man nicht derjenige ist, dem das Küken hinterher wuselt, an dessen Schulter es schläft und dessen Bart es unentwegt zupft. # Kleine Schreibpause.
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In diesem Jahr ist die Ente wieder da. Und so sitzt sie da, schaut uns zu, wie wir ihr zuschauen, gibt ihr letztes Unterkleid, um ein gutes Brutgeschäft anzuliefern, und wird, wenn wir demnächst früh links erwachen, hoffentlich wieder einen ganzen Haufen Küken um sich geschart haben.
Den größten Gefallen täte sie mir, wenn sie nicht wieder zwei Eier zurückließe. Und der Ausschnitt meine Frau nicht noch einmal als Brutplatz herhalten und ich nicht erneut meine emotionale Integrität riskieren müsste. (@ Johanna: Was macht das eigentlich für einen Eindruck, wenn Männer bei der Tierärztin stehen und ein Entenküken beweinen?)
















